Wina und die Tischerdolchung

Autoren: Jan Richling, Oliver H. Herde und andere

OHH

"Wir hatten über deinen Großvater gesprochen", erinnert sich Wina sogleich, um sich umgehend selbst zu berichtigen: "Deinen Urgroßvater, meine ich." Selbszufrieden, die Familienverhältnisse nun erfasst zu haben, schmunzelt sie die Halbelfe - nein, Achtelelfe! - freundlich an.

JR

Udana nickt bei dem Wort 'Urgroßvater', schüttelt dann aber den Kopf, denn eigentlich waren sie damit doch schon fertig. Oder doch nicht?
Sie zögert kurz, dann sagt sie: "Ich glaube, als letztes hatte ich gesagt, dass ich froh bin, dass ich mit ihm zumindest reden könnte, falls ich ihn denn mal treffe und, was vermutlich richtig unwahrscheinlich ist, ihn als denjenigen erkenne, der er ist. Ich habe nämlich nicht die geringste Ahnung, wie er aussieht, ich meine, abgesehen davon, dass seine Ohren im Vergleich zu meinen sicherlich richtige Spitzen haben."

OHH

"Das ist wenig", stimmt Wina bedauernd zu. "Aber was meinst du damit, dass du mit ihm reden könntest? Weil du dich trauen würdest oder Elfisch kannst oder was sonst?" Ehrlich interessiert blickt sie die andere an.

JR

"Beides", entgegnet Udana nach einem kurzen Zögern, "wobei ich ehrlich zugeben muss, dass ich mir noch nie die Frage gestellt habe, ob ich mich das trauen würde. Wir haben schon des öfteren für irgendwelche Auftraggeber Leute gesucht und diese am Ende auch angesprochen. Oft hat das meine Mutter gemacht, aber ich hatte damit auch noch nie ein Problem."
Sie zögert erneut. "Andererseits waren das reine Aufträge und eben nichts persönliches."

OHH

Verständnisvoll wird genickt. "Was würdest du ihm denn sagen oder ihn fragen wollen?" Alles mit 'Du, übrigens' am Anfang würde Wina etwas unbeholfen erscheinen.

JR

Überrascht sieht Udana die Schneiderin an, denn über diesen Punkt hat sie tatsächlich ebenso wie über die Frage, ob sie sich trauen würde, ihn anzusprechen, in keiner Weise nachgedacht. "Vermutlich würde ich einfach 'Sanyasala' sagen", erwidert sie dann, "aber ich glaube, das ist nicht, was du wissen willst." Das eingestreute elfische Wort bricht den Redefluss durch seine vollkommen andere Aussprache deutlich, verrät aber zumindest demjenigen, der des Isdira kundig ist, dass die junge Frau die elfische Aussprache recht gut beherrscht, es aber mit Sicherheit nicht ihre Muttersprache ist.
Sie zögert kurz, während sie an verschiedene Aufträge denkt, bei denen ihre Mutter und sie im Auftrag anderer nach Personen gesucht haben. "Alles andere käme wohl sehr darauf an, wie sicher ihr mir bin, den richtigen Elfen vor mir zu haben."

OHH

Ganz richtig vermutet Wina, dass jenes elfische Wort wohl irgendwie der Begrüßung dienen mag, also lächelt sie kurz zu dem mutmaßlichen Scherz.
"Natürlich, das meinte als Voraussetzung", bohrt sie unbestimmt nach. Dann kommt ihr ein anderer Gedanke, welcher wieder einen besorgt-betroffenen Ausdruck auf ihrem Gesicht hervorruft. "Oder magst du lieber nicht darüber sprechen?"

JR

Wieder wird Udana überrascht und sieht Wina darum ein wenig verwirrt an. Dann schüttelt sie den Kopf. "Keine Sorge", entgegnet sie rasch, "es macht mir überhaupt nichts aus, darüber zu sprechen. Schließlich kenne ich den Mann gar nicht und weiß nicht einmal, ob er überhaupt noch am Leben ist, denn seit der Geburt meiner Großmutter sind schon ziemlich viele Götterläufe vergangen."
Sie spielt kurz gedankenverloren mit dem Krug, dann hebt sie den Blick wieder und sieht Wina an. "Ich glaube, ich würde ihn irgendwann fragen, warum er gegangen ist, aber das wäre mit Sicherheit nicht die erste Frage, die ich ihm stellen würde."

OHH

Ja, das klänge dem Elfen vielleicht etwas zu vorwurfsvoll, wenn man ein Gespräch so begänne; jedenfalls würde Wina es wohl so empfinden. "Sondern?" bohrt sie weiter, da Udana anscheinend einen besseren Anfang im Hinterkopf hat.

JR

"Es käme darauf an, wie sicher ich mir bin, den richtigen Elfen vor mir zu haben", erwidert Udana ohne Zögern, "aber vermutlich würde ich selbst dann, wenn ich mir sehr sicher bin, irgendwie so anzufangen, dass es meine letzten Zweifel zerstreut. Wobei..."
Sie hält wieder ein und schüttelt dann den Kopf. "Nach dieser langen Zeit würde es aber sicher eher so aussehen, dass er einfach ein Elf ist, mit dem ich mich auf der Suche nach meinem Urgroßvater unterhalte und erst im Gespräch auf die Idee kommen würde, dass er es vielleicht sein könnte."

OHH

Das leuchtet ein. "Stimmt, womöglich erkennt er die Verwandtschaft dann aus irgendeinem Grund noch vor dir oder ihr erschließt sie euch gemeinsam!" Für Wina ist das eine sehr schöne, rührende Vorstellung.

JR

Udana nickt. "So könnte es geschehen", sagt sie dann, "und das erscheint mir beinahe wahrscheinlicher als irgendein Hinweis, der gezielt zum richtigen Elfen führt."
Sie sieht nach diesen Worten für einige Augenblicke ihren Becher an, ehe sie wieder daran nippt. "Hast du eigentlich auch Elfen als Kunden?" spricht sie dann einen Gedanken aus, der ihr gerade kommt.

OHH

Da hat Udana wohl recht. Mitfühlend schweigt auch Wina für Momente.
"Elfen gelangen nicht gar so viele in diese Gegend", erklärt sie dann. "Meist sind es durchreisende, die hier im Eber rasten. Und in aller Regel fertigen oder flicken sie ihre Sachen selbst."
Unwillkürlich versucht sie sich, die äußerst raren Situationen ins Gedächtnis zu rufen, in denen Elfen bei ihr oder ihren Eltern etwas in Auftrag gaben. Dass Udanas Groß... nein, Urgroßvater darunter war, dürfte sehr unwahrscheinlich sein. Ob man ihm sein Alter irgendwie anmerken würde? Vermutlich eher an seinem Verhalten denn am Aussehen.

JR

Bei der Erwähnung der ihre Sachen selbst flickenden Elfen nickt Udana sofort. "Ich muss zugeben, dass wir das meist auch machen, wenn wir unterwegs sind", spricht sie den Rest des Gedankens sofort aus, wobei sie Wina beinahe entschuldigend ansieht, "und wenn wir jemanden aufsuchen, dann ist das eher ein Waffenschmied als ein Schneider."

OHH

Natürlich, einen Amboss oder auch nur allerlei Werkzeug wird man kaum auf Große Fahrt mitnehmen! Aber Winas Gedanken eilen bereits wieder zurück zu schneidernden oder vielleicht auch mal nicht schneidernden Elfen. "Ich würde deinen G... Urgroßvater ja noch weniger erkennen als du", stellt sie resignierend fest.

JR

Winas Worte überraschen Udana zuerst, doch dann wird ihr bewusst, dass die andere ihre letzten Äußerungen anders verstanden hat, als sie das eigentlich gemeint hat. Mehr noch, eigentlich ist dieses Verständnis sogar naheliegender als das, was sie im Sinn hatte.
"Vermutlich wären wir beide gleich gut darin", erwidert sie schließlich, "aber das eigentlich auch gar nicht der Sinn meiner Frage. Ich hatte mich tatsächlich nur gefragt, wie oft Elfen eine Schneiderin in einem Ort wie Solstono aufsuchen."

OHH

"Ja, wie gesagt", nickt Wina, "selten!"
Eine Kopfbewegung zeigt, dass sie einen neuen Gedanken hat: "Möchtest du etwas in Auftrag geben?"

JR

"Ich?" fragt Udana überrascht, denn auch wenn die Frage eigentlich naheliegend ist, hat sie damit in keiner Weise gerechnet.
"Tatsächlich habe ich noch nie bei einem Schneider etwas in Auftrag gegeben", sagt sie dann, "denn es kommt selten vor, dass wir ausreichend lange an einem Ort sind." Während sie das ausspricht, wird ihr klar, dass es dieses Mal anders ist, denn sie wird wenigstens so lange in dieser Gegend bleiben, bis ihre Mutter eintrifft. Von daher wäre es möglich, nur: Es gibt nichts, das sie dringend braucht. Das bleibt aber erst einmal unausgesprochen, denn in der Form kommt es ihr reichlich unhöflich vor.

OHH

Verstehend wird abermals genickt. "Na, da hast du bestimmt selbst die nötigsten Kenntnisse", stellt Wina fest. "Aber warum hast du denn nun nach Elfen als Kundschaft gefragt?"

JR

"Kenntnisse? Ich?" Wieder einmal sieht Udana die Schneiderin verwundert an, ehe ihr bewusst wird, dass man ihre Worte in der Tat auch ganz anders verstehen kann, als sie gedacht waren. "Ich kann ausreichend gut mit Nadel und Faden umgehen, um kleine Schäden in Ordnung zu bringen", erwidert sie dann, "aber Schneidern kann ich ganz sicher nicht. Was ich meinte, ist, dass wir normalerweise nichts für uns schneidern lassen, sondern meist Kleidung verwenden, die jemand anders nicht mehr braucht." Die letzten Worte klingen für die Ohren der Kriegerin beinahe bedrohlich, aber sie hofft, dass Winas Gedanken nicht in diese Richtung gehen. Udanas Gedanken hingegen gehen zu der Frage, die Wina gestellt hat, doch sie bleiben vorerst unausgesprochen, will sie doch Wina nicht mit ihren Worten überschütten.

OHH

"Oh!" Folglich tragen Udana und ihre Mutter anderer Leute alte Sachen ab. Dies klingt bedauernswert ärmlich. Tatsächlich wirkt die Halb- oder Achtelelfe auch nicht gerade nach neuester Vinsalter Mode gewandet, aber es gäbe ja noch Abstufungen dazwischen. "Zur Tarnung?" fragt Wina vorsichtig. Eventuell wollen die beiden ja schlicht und einfach unauffällig sein. Abgerissene Leute werden meist weniger beachtet, wenn sie nicht dem entgegen durch andere Dinge wie schlechtes Benehmen oder eine Bierfahne ins Auge - oder die Nase - stechen.

JR

"Manchmal auch zur Tarnung", bestätigt Udana, "wobei das oft auch in die entgegengesetzte Richtung geht, weil unsere Auftraggeber wollen, dass wir einen bestimmten Eindruck hinterlassen. Denk nur an das, was ich vorhin erzählt habe. Da habe ich Kleidung der Tochter jenes Händlers getragen, damit andere denken, er wäre mit ihr unterwegs. Ansonsten wollen wir natürlich unauffällig sein, aber oft ist der Grund noch viel einfacher, denn längst nicht jeder Auftrag ist so ertragreich wie die Begleitung dieses Händlers."
Sie gestattet dem Gedanken, der ihr zuvor bei Winas Frage gekommen ist, einige Augenblicke der Reifung, doch er bleibt weiterhin unausgesprochen.

OHH

Bei geliehener Kleidung ist natürlich alles denkbar. Bestimmt ist es ein bisweilen sehr hartes Leben, welches Udana und ihre Mutter da führen - selbst ohne die ständigen Gefahren. "Das tut mir leid", bekundet Wina leise. Wie gut sie selbst es doch mit allem getroffen hat!

JR

"Das muss dir nicht leid tun", erwidert Udana mit einem Kopfschütteln, "denn letztlich haben wir uns selbst für dieses Leben entschieden. Natürlich ist es zuweilen schwer, aber auf der anderen Seite können wir Orte sehen, die andere nie zu Gesicht bekommen. Und wir lernen viele Menschen kennen und natürlich nicht nur die, sondern auch Elfen und Zwerge."
Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. "Ich hoffe, dass es deine Ehre als Schneiderin nicht zu sehr trifft, aber nachdem man einen oder zwei Monde lang durch die Wildnis des Orklands gezogen ist, spielt es keine Rolle mehr, wie die Kleidung vorher ausgesehen hat."

OHH

Bei dieser Bemerkung verzieht Wina den Mund - allerdings nicht gekränkt, sondern ob der Vorstellung, wie jeglicher Stoff unter Dornengestrüpp und Wetter auf Dauer leiden muss. Vermutlich wird jeder Orklandreisende bald insgesamt sehr verschlissen aussehen. "Das kann ich mir vorstellen", bekundet sie daher betont.
Dann erinnert sie sich an das Vorangegangene: "Naja, viele Menschen und ein paar Elfen und Zwerge kann man hier auch kennenlernen. Abends wird es bestimmt noch voller, auch wenn mir vor zwanzig Jahren noch mehr Reisende unterwegs gewesen scheinen." Ständig irgendwelche Kriege, welche den Handel lähmen, dazu politisches Hin und Her, welches Wina jedoch eigentlich nie wirklich interessiert hat, aber doch ebenfalls für unsicherere Straßen sorgt - kein Wunder also, wenn die Leute zuhause bleiben!

JR

"Ich glaube, das hat meine Mutter auch irgendwann mal gesagt", bestätigt Udana, "aber selbst habe ich das natürlich nicht erlebt. Das war drei Götterläufe vor meiner Geburt."
Eine Bewegung am Kamintisch, den sie die ganze Zeit zumindest ein klein wenig im Blick hat, lenkt ihre Aufmerksamkeit in die betreffende Richtung. Die Frau, die mitgeholfen hat, den Mann mit dem Messer nach draußen zu bringen, hat sich dort genau auf den Platz gesetzt, auf dem Udana ursprünglich gesessen hat, also in die Nähe ihres dort an der Wand lehnenden Gepäcks.
"Denkst du, dass es unhöflich wäre, wenn ich meine Sachen, die da drüben noch an der Wand stehen, nach hier hole?" fragt sie ohne jede Einleitung Wina, die sich mit den Bräuchen dieser Gegend sicher besser auskennt.

OHH

Nach einem Blick hinüber erwidert Wina: "Nein, warum? Sie gehören doch dir! Oder glaubst du, die denken, du misstraust ihnen? Dann lächele einfach freundlich!"

JR

"Das werde ich machen", erwidert Udana, "ich bin sofort wieder bei dir!" Sie schiebt den Stuhl zurück und erhebt sich, um dann ohne weiteres Zögern zielstrebig in Richtung des Kamins zu gehen, denn so dürfte sie am einfachsten an ihre an der Wand lehnenden Sachen herankommen, ohne jemanden am Kamintisch zu stören.

OHH

Kurz wird noch lächelnd der Halbelfe nachgesehen, dann widmet sich Wina endlich ausführlicher dem köstlichen Apfelmost und überlegt nebenbei, was sie auf Rechnung des Thorwalers bestellen möchte.

JR

Udana setzt ihren Weg durch die Gaststube fort, wobei ihre Füße beinahe von alleine in Richtung des Stuhls gehen, auf dem sie zuletzt gesessen hat. Das ändert sich jedoch rasch, als der Besitzerin jener Füße klar wird, dass es eine viel bessere Lösung gibt, die nicht nur mehr Platz für das Gepäck bietet, sondern auch strategisch wesentlich günstiger ist, falls es zu noch einem Vorfall wie jenem mit dem Tulamiden kommt.
Somit ändert sie ihre Richtung deutlich nach links und geht an Wina vorbei zu dem Stuhl, auf dem zuvor Caspar gesessen hat. "Ich glaube, ich setze mich besser nach hier", sagt sie dabei in Winas Richtung, "denn ich habe vor allem dann nur ungern die Tür im Rücken, wenn so etwas wie vorhin passiert."
Sie stellt ihren schweren Rucksack, den sie auf dem kurzen Weg mit nur einer Hand getragen hat, gegen die Wand neben dem Stuhl und lässt sich auf selbigem nieder.

OHH

Zunächst etwas verwundert, verfolgt Wina Udanas Kurswechsel. "Ach so!" Geistreicheres fällt ihr dazu nicht ein, zumal die Halbhalbhalbelfe nun auch noch mit dem Anschein einer ihr kaum zuzutrauenden Körperkraft beeindruckt. In ihr stecken offenbar noch einige Überraschungen.
Freundlich wird gelächelt und noch einmal kurz zum Kamintische hinübergeblickt. "Na siehst du, das war kein Problem."

JR

"Ja", entgegnet Udana leise genug, um jenseits des Tisches nicht gehört zu werden, "das mit dem Lächeln hat tatsächlich gewirkt. Zudem hat sich der Thorwaler dafür bedankt, dass wir Platz gemacht haben, als sie den anderen Mann vor die Tür gebracht haben."
Sie streckt nach diesen Worten eine Hand aus, um sich ihren noch auf der anderen Seite des Tisches stehenden Becher zu angeln.
"Was deine Frage von vorhin angeht", fängt sie dann zaghaft an, ohne den Satz jedoch zu vollenden.

OHH

Als eine der Überraschungen könnte vielleicht man die Widersprüchlichkeit Udanas zählen, mit der sie als anscheinend geübte und welterfahrene Kämpferin und Überlebenskünstlerin zumindest hier im Gasthaus eine sehr schüchterne, fast ängstliche Verhaltensweise an den Tag legt. Warum spricht sie nicht weiter?
Jedoch überlegt Wina erst einmal nun halblaut: "Welche?" Sie hat sich ja noch nicht einmal für ein Getränk entschieden!

JR

"Die, ob ich etwas in Auftrag geben möchte", erwidert Udana ein wenig zaghaft, um sich dann zu räuspern. "Ich hatte das noch nicht wirklich beantwortet", fährt sie fort, "denn wir sind vom Thema abgekommen und dann habe ich meine Sachen geholt. Ich glaube, dass ich nichts brauche, aber wirklich darüber nachgedacht habe ich tatsächlich noch nie. Wäre es für dich in Ordnung, wenn ich dich irgendwann in den nächsten Tagen in deiner Schneiderei besuche?"

OHH

"Ja, natürlich", erwidert Wina weiterhin verwirrt, da Udana immer noch um den Heißen Brei herumspringt. Auch bleibt unklar, weswegen sie sich denn nun nach Elfen in der Schneiderei erkundigt hat. "Möchtest du mir schon verraten, mit welchem Anliegen du kommst? Hat es überhaupt mit Schneidern zu tun?" Irgendwie macht es nicht den Eindruck.

JR

"Ich bin neugierig", erwidert Udana ohne Zögern, "und außerdem will ich die erste... Achtelelfe sein, die deine Schneiderei betritt!" Der Tonfall des letzten Teils lässt keinen Zweifel daran, dass dies alles andere als ernst gemeint ist.
Ihr Blick wird jedoch rasch wieder ernst. "Außerdem habe ich eine Idee, die tatsächlich etwas mit Schneiderei zu tun hat."

OHH

Darin die erste zu sein, wird Udana nicht schwerfallen, lächelt Wina in sich hinein.
Die nachfolgenden Worte lassen nun sie neugierig werden. Ob die Achtelelfe wohl ein Stofftier nähen möchte - einen Kuschelhasen womöglich? Irgendwie wirkt sie, als könne sie einen brauchen, obwohl dies doch so gar nicht zu ihrem harten Abenteurerleben passen möchte. "Da bin ich aber gespannt!" Hoffentlich kommt sie dann auch wirklich vorbei!

JR

"Ich auch", entgegnet Udana, "denn wirklich durchdacht habe ich meine Idee noch nicht." Ihr Blick geht kurz durch den Raum, dann kehrt er zu der Schneiderin zurück. "Die Gelegenheit ist aber auch wirklich günstig, denn ich werde wenigstens so lange in dieser Gegend bleiben, bis meine Mutter eintrifft."

OHH

Eine Braue wandert empor. Udana macht es aber spannend! Doch da sie das noch nicht verraten möchte, setzt Wina eben anderswo an: "Wann seid ihr denn verabredet?" Dass es anscheinend gar keinen genauen Tag gibt, geht der jungen Frau nur langsam auf.

JR

"Eigentlich in den nächsten Tagen", erwidert Udana, "aber da wir beide einen ziemlich langen Weg haben, ist es kaum möglich, das genauer zu verabreden. Ich hatte eigentlich vor, erst übermorgen hier anzukommen, aber nachdem ich von dieser Feier gehört habe, habe ich mich dann auf dem letzten Stück sehr beeilt." Sie hält inne, als ihr klar wird, dass letzteres nur wenig mit der gerade gestellten Frage zu tun hat.
"Der Wirt hat mir vorhin einen Brief meiner Mutter gegeben", fährt sie darum fort, "der vor etwa zwei Wochen bei ihm eingetroffen ist. Darin schreibt sie, dass sie ein oder zwei Wochen länger brauchen wird und ich hier auf sie warten soll."

OHH

"Dann hast du also um die zehn Tage Zeit!" stellt Wina fest. "Was willst du hier so lange treiben?" In Gedanken geht sie bereits durch, was sie Udana empfehlen oder wohin sie sie mitnehmen könnte.

JR

Udana zuckt mit den Schultern. "Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht", sagt sie dann, "denn bis vorhin bin ich davon ausgegangen, dass sie schon hier ist oder in den nächsten Tagen kommen wird." Sie nippt kurz an ihrem Becher.
"So jedoch halte ich Augen und Ohren offen, denn gerade in einem Gasthaus wie diesem ist es zuweilen gar nicht so schwer, einen kleinen Auftrag zu finden, der rasch erledigt ist. Ansonsten habe ich wohl in der Tat Zeit. Gibt es denn etwas, das man in dieser Gegend besuchen sollte? Außer deiner Schneiderei, natürlich." Die letzten Worte werden von einem Lächeln begleitet.

OHH

"Einen Auftrag?" wiederholt Wina. "Du meinst, einen Händler zu begleiten?" Vielleicht befreien die beiden ja auch entführte Prinzessinnen, jedoch werden sie hier sowas kaum finden.

JR

"Das eher nicht", antwortet Udana, "denn ich glaube eher nicht, dass hier jemand eine bewaffnete Begleitung zu einem Ort braucht, den man an einem Tag erreichen kann. Bei viel weiter entfernten Zielen ist das bestimmt anders, aber da ich nicht weiß, wann meine Mutter ankommt, möchte ich nichts machen, bei dem ich längere Zeit unterwegs bin."
Während sie das sagt, kommt ihr ein Gedanke, den sie sofort ausspricht: "Sonst muss meine Mutter nämlich warten, und wenn sie ihrerseits dann auch so einen Auftrag annimmt, dann wirst du erleben, wie wir hier abwechselnd nacheinander suchen."

OHH

Bei dieser Vorstellung muss Wina schmunzeln. "Ja, das wäre dumm. Aber an was für einen Auftrag hast du denn dann gedacht? Oder möchtest du auf dem Feld helfen?" fällt ihr ein, wenngleich sie sich das eher schlecht vorstellen kann.

JR

Udana sieht Wina bei den Worten mit dem Feld überrascht an, ehe sie entschieden den Kopf schüttelt. "Das möchte ich den Pflanzen nicht zumuten", erwidert sie, "und ich weiß auch nicht, ob ich für so etwas nicht viel zu ungeduldig bin."
Sie überlegt kurz. "Manchmal haben wir Aufträge, bei denen wir jemanden beispielsweise zu einem Gespräch begleiten, bei dem der Auftraggeber befürchtet, dass man Gewalt gegen ihn anwenden könnte. Da ist eine bewaffnete Begleitung dann ziemlich willkommen und meist vollkommen ausreichend, um dafür zu sorgen, dass es eben keine Gewalt gibt. Kennst du jemanden in Solstono, der so etwas brauchen könnte?" Wirklich viel Hoffnung legt Udana jedoch nicht in diese Worte, denn auch diese Art von Bedarf besteht eher in weit weniger friedlichen Gegenden.

OHH

Dass sich beispielsweise ein Kunde beim Brotkaufen Waffenbedeckung mitnehmen könnte, ist schon eine recht lustige Vorstellung. "Nein, da fällt mir niemand ein", bestätigt Wina mit einem Schmunzeln erwartungsgemäß. Vielleicht wäre sowas eher schon denkbar und womöglich manchmal nützlich bei dem einen oder anderen Ehekrach. Doch auch diesen Gedanken behält sie grinsend für sich.

JR

"Das hatte ich mir beinahe gedacht", entgegnet Udana, um dann weit weniger ernst hinzuzufügen: "Vermutlich wird auch Caspar keine kriegerische Unterstützung brauchen, um es wem auch immer heimzuzahlen, der ihm das blaue Auge verpasst hat."

OHH

"Ich habe eh den Eindruck, die Geschichte sei erledigt", überlegt Wina durchaus ernsthaft. "Jedenfalls ist Gewalt eigentlich nie eine Lösung, finde ich, ehrlich gesagt. Aber natürlich muss man sich irgendwie verteidigen, wenn man angegriffen oder bedroht wird", schiebt sie noch eilig nach.

JR

"Mit der Gewalt hast du vollkommen recht", bestätigt Udana, "nur gibt es da draußen", sie nickt in Richtung der Außenwand neben ihr, "so viele, die das nicht verstanden haben, dass wir gut davon leben können, jenen, die das nicht selbst machen wollen oder können, bei der Verteidigung zu helfen oder alleine durch unsere Anwesenheit dazu beitragen, dass es gar nicht erst zur Gewalt kommt."

OHH

"Ach, das klingt schön!" freut sich Wina, einmal wieder dieses wohlige Gefühl von dereinst bei allerlei Heldengeschichten zu verspüren. "Aber erst einmal gibt es in Solstono keine Prinzessin zu befreien oder einen Diebstahl aufzuklären, fürchte ich." Letzteres mag sich jederzeit ändern, wenngleich das nicht wahrscheinlich ist. Man kennt sich, und Diebesgut würde rasch irgendwo erkennbar auftauchen.

JR

Udana nickt bei Winas Worten. "Das hatte ich mir beinahe gedacht angesichts dieser friedlichen Umgebung. Wobei" - das Lächeln kehrt in ihr Gesicht zurück - "ich tatsächlich noch nie eine echte Prinzessin gesehen habe, ganz zu schweigen davon, dass ich eine befreit habe."

OHH

"Na, das ist aber ein Versäumnis für eine wahre Heldin!" lacht Wina. "Wir müssen dir unbedingt eine besorgen! Oder vielleicht lieber einen Prinzen? Notfalls lässt sich vielleicht wenigstens in Pertakis irgendein Don oder Kaufmannsspross auftreiben." Sie feixt über das ganze Gesicht.

JR

Udana erwidert das Lachen. "Kaufmannsprosse haben wir schon einige gerettet", entgegnet sie dann, während ihr Blick wieder ein klein wenig ernster wird, "und in einem Fall habe ich das sogar ganz alleine getan. Der Kerl war aber ziemlich undankbar und hat sich vor allem Sorgen darüber gemacht, was seine Freunde über ihn denken werden, weil er von einem Mädchen gerettet wurde!
Von daher", fährt sie fort, während die Fröhlichkeit zurückkehrt, "wäre mir die Prinzessin vermutlich lieber als der Prinz. Wirklich wahrscheinlich ist das aber eher nicht, denn so arg viele Prinzessinnen gibt es auf der Welt ja nun auch nicht."

OHH

Demnach scheint das Lebensretten wohl kein geeigneter Heiratsmarkt zu sein. Schade eigentlich, aber dass Heldengeschichten und Märchen oft an der Realität vorbeigehen, musste Wina wie jeder andere beim Erwachsenwerden lernen. "Nur in den Geschichten", bestätigt sie. Dort wimmelt es von ihnen, als würde alle Nase lang ein Schloss stehen.

JR

"Ja, nur in den Geschichten", wiederholt Udana, um dann innezuhalten und in Richtung des Barden zu schauen, der am anderen Tisch ein Lied anstimmt. Sie lauscht kurz, um dann jedoch mit ihrer Aufmerksamkeit wieder zu Wina und dem eigenen Tisch zurückzukehren.
"Ob es wohl auch Geschichten gibt, in die Prinzessin nicht gerettet werden muss, sondern selbst jemanden rettet?" spricht sie ihre Gedanken aus, die derweil ihren ganz eigenen Weg weg von den immer wieder zu rettenden Prinzessinnen genommen haben. "Vielleicht", ergänzt sie sofort mit einem Lächeln, "indem die Prinzessin den Drachen vor dem Ritter rettet?"

OHH

Auch Wina bemerkt nun nebenbei den neuerlichen Gesang des Barden, bleibt jedoch durch Udanas Worte zu abgelenkt. Tatsächlich hat sie genau denselben Gedanken, noch bevor Udana ihn ausspricht. "Ja, ein geretteter Drache" ruft sie begeistert, "die sollen doch so geistreich sein! Und was soll so einer denn überhaupt mit einer Prinzessin anfangen! Aber vermutlich gibt es verschiedene..."

JR

Udana lässt sich von Winas Begeisterung sofort anstecken. "Genau, das ist die Frage! Fressen wird er sie ja kaum wollen, denn an so einer Prinzessin aus dem Märchen ist doch in den meisten Fällen nicht viel dran, so dass es viel schlauer wäre, wenn er sich einfach ein Schaf oder eine Kuh holt."
Sie hält inne, als ihr klar wird, dass 'Fressen' vermutlich nicht das ist, was Wina im Sinn hat. "Vielleicht findet die Prinzessin es aber auch einfach nur langweilig, im Schloss zu sitzen und auf den Prinz aus dem Märchen zu warten, so dass sie losgezogen ist, um die Welt kennenzulernen. Dabei hat sie den Drachen getroffen und während sie mit ihm plaudert, kommt dann der Ritter an und glaubt, er müsse sie retten."
Die junge Kriegerin sieht die Schneiderin nach diesen Worten erwartungsvoll an.

OHH

Für einen Moment schaut Wina die geviertelte Halbelfe etwas überrumpelt an, da sie irgendwie erwartet hat, die Prinzessin würde den Drachen heimtückisch überfallen. Aber nein, sie sollte ihn ja retten! Liegt die Verwirrung an dem Lied, dem Wina ebenfalls gern lauschen würde?
"Ah, ich verstehe: Sie muss den Ritter vom Retten abhalten und rettet so den Drachen!" Ein raffiniert gesponnener Handlungsfaden, muss sie zugeben, auch wenn es weniger spektakulär als erwartet ausgeht.

JR

"So hatte ich mir das gedacht", entgegnet Udana, "und dann..." Sie hält inne, als ihr beim Gesang des Barden etwas auffällt.
"Yshija", wiederholt sie leise, während sie in Richtung des Tisches mit dem Barden nickt, "ich bin mir sicher, dass meine Mutter diesen Namen erwähnt hat, als sie von diesem Gasthaus erzählt hat. Ob das wohl die gleiche Yshija ist, von der der Barde singt?"

OHH

Nun wendet auch Wina ihre Aufmerksamkeit mehr dem Liede zu - und beginnt unwillkürlich, nach der schwungvollen Melodie zu wippen. "Wer weiß? Ich kenne sie nicht, aber ist es ein häufiger oder seltener Name? Ist die Ischija deiner Mutter denn auch eine Tänzerin gewesen?"

MvZ

Und wieder endet die schwingvolle Melodie zugunsten einer langsameren Strophe in Moll:
"Die Zwillingsschwester Ajishy, vor langer Zeit entschwunden,
ward von Yshija, die sie suchte, lange nicht gefunden.
Und wenn Yshija an sie dacht' und ihr saht in ihr Aug' hinein,
wenn ihr dann nicht selbst traurig ward, habt ihr gewiss ein Herz aus Stein."
Marik, dessen Blick immer mal wieder auch zu den anderen Gästen wandert, stellt zufrieden fest, dass sein Vortrag zunehmendes Interesse findet.

JR

Udana will gerade antworten, als die nächste Strophe des Lieds nicht nur die zuvor gestellte Frage beantwortet, sondern zugleich auch eine Erinnerung weckt, die die Abenteurerin lächeln lässt.
"Ich wollte gerade sagen, dass ich weder das eine noch das andere weiß", antwortet sie dann, wobei sie bewusst leise redet, um das Lied nicht zu stören, "aber der Barde hat gerade nicht nur diese Frage beantwortet. Es ist lange her, dass meine Mutter davon erzählt hat und ich erinnere mich neben dem Namen nur noch daran, dass jene Yshija eine Schwester gesucht hat, deren Name identisch ist, nur eben anders herum ausgesprochen." Udanas Lächeln vertieft sich. "Tatsächlich muss ich da wirklich noch ziemlich klein gewesen sein, denn ich weiß noch genau, dass ich mir damals eine Schwester namens Anadu gewünscht habe."

OHH

Freundlich lächelt Wina den Barden an, als er zu ihnen herüberschaut. Ihr Blick bleibt an ihm haften, derweil sie über Udanas Worte nachsinnt.
Jaischi womöhlich oder Aschiji? Eigentlich möchte sie nichts vom Lied verpassen, doch zugleich harrt die Halbelfe gewiss auch einer Antwort. "Woher kennt deine Mutter diese Geschichte? Ist sie einer der Schwestern begegnet?"

MvZ

Mariks Blick bleibt bei seiner neuen Bewunderin hängen, bis diese sich wieder dem Gespräch mit ihrer Tischgenossin widmet.

JR

Auch Udanas Blick geht in Richtung des Barden, während sie über Winas Frage nachdenkt und dabei dem Lied lauscht.
"Das weiß ich nicht", erwidert sie schließlich leise, "aber sie hat von jener Suche erzählt, von der der Barde gerade gesungen hat. Wenn ich das recht in Erinnerung habe, hat sie davon vor vielen Götterläufen in diesem Gasthaus erfahren." Beinahe entschuldigend ergänzt sie: "Was Details angeht, kann ich mich leider nur noch an die Sache mit den Namen erinnern, aber vielleicht ändert sich das, falls der Barde noch mehr von der Suche singt."

OHH

Dies mag wohl sein, drum nickt Wina nur und passt wieder besser auf. Der fröhliche Kehrreim würde eigentlich zum Mitsingen einladen, doch hat sie davon noch zu wenig mitbekommen. Doch vielleicht bietet sich noch Gelegenheit, sich darin zu vertiefen, sofern es noch genügend Strophen gibt. Bis dahin müssen ein Kopfwackeln im Takte und ein leises Mitsummen genügen. Tatsächlich scheint sie die Melodie schon recht gut erfasst zu haben.

Weiter...


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Redaktion und Lektorat: Oliver H. Herde im Jahre 2026