Wina und die halbelfische Familienforschung
Autoren: Jan Richling, Oliver H. Herde und andere

OHH
Offenkundig verwirrt erwidert Wina: "Was? Nein, ach, ich dachte, du sprichst von Caspar...!" Aber womöglich hat Udana recht. Elfen sollen ja unglaublich alt werden können. "Werden Halbelfen halb so alt wie Elfen...?" sickern ihre unsortierten Gedanken über die Lippen.
JR
Udana muss bei Winas Worten lachen, während sie zugleich überlegt, was das für sie bedeuten würde, wenn es denn zutreffen würde.
"Ich glaube nicht", erwidert sie dann, "denn nach dem, was ich darüber weiß, können Elfen unvorstellbar alt werden, während Halbelfen mit ein wenig Glück lediglich ein wenig länger als Menschen leben können. Ich glaube aber nicht, dass mich das betrifft, denn ich bin nur zu einem Achtel von elfischem Blut und mit siebzehn Götterläufen sicher auch nicht älter, als du dir das vermutlich schon gedacht hast."
Sie legt den Kopf leicht schräg und ergänzt: "Deine Idee finde ich aber trotzdem spannend. Was ist wohl ein Achtel von unvorstellbar alt?"
OHH
Zuerst nickt Wina verstehend bei den Lebensspannen von Elfen und Halbelfen, dann blinzelt sie kurz etwas hilflos, um erneut wenngleich geistesabwesender bei der Altersangabe und der ganz richtig gemutmaßten Annahme mit einer Kopfbewegung zuzustimmen.
Udanas letzte Bemerkung führt Wina zu dem gedanklichen Stoplerstein zurück, welchen sie kaum passiert hat: "Was ist ein Achtel?" Mit einer Wachtel wird das bestimmt nichts zu tun haben.
JR
Auch Udana ist für einen Augenblick leicht verwirrt, fängt sich aber rasch wieder, denn das ist längst nicht das erste Mal, das ihr jemand so eine Frage stellt. Ebenso klar ist, dass sie als die Tochter einer Frau, die sich als 'Viertelelfe' sieht, auch ziemlich genau weiß, wie sie dies beantworten kann.
"Stell dir vor, du hast..." Sie sieht sich um, doch auf dem Tisch steht nichts, das sie für ihre Erklärung zur Hilfe nehmen kann. Also wählt sie den zweitbesten Weg, nämlich die Profession ihrer Gesprächspartnerin: "...ein Stück Stoff. Wenn du das genau in der Mitte durchschneidest, hast du zwei Hälften, nicht wahr? Wenn du diese beide dann wieder halbierst, sind es vier Viertel und wenn du dann..." Sie hält inne, um sicherzustellen, dass sie Wina nicht abgehängt hat.
OHH
Bereits 'Viertel' ist für Wina ein ungebräuchlich neuer Begriff, doch die Argumentation leuchtet ein. Eifrig nutzen die Gedanken die kurze Pause und eilen voraus. "Vier doppelt sind acht... So nennt man das also? Achtel?" Das klingt seltsam und unvertraut. Offenbar ist sie nicht ganz sicher, ob sie nun nicken oder den Kopf wiegen soll, da ein unschlüssiges Umherwackeln dabei herauskommt.
RB
Als Caspar quer durch den Schankraum geht, fällt nur ein kurzer Blick auf seinen ehemaligen Tisch, wo die beiden Frauen schon wieder eifrig im Gespräch sind. Dann geht er durch die Tür und schließt sie leise hinter sich.
JR
"Ja", erwidert Udana, wobei sie sich nicht sicher ist, was genau Wina mit ihren Kopfbewegungen bezweckt. "Das Achtel ist die Hälfte eines Viertels", fasst sie darum zusammen, "und das kann man sicher auf die gleiche Weise noch viel weiter fortsetzen, aber eigentlich ging es ja um etwas ganz anderes."
OHH
Kurz wirft Wina dem Burschen einen mitleidigen Blick nach, als jener durch die Türe hinausschlüpft, dann wechselt ihr Blick wieder auf Udana - die Richtung ist ja ungefähr dieselbe.
Von dem Geviertel und Geachtel wird ihr fast schwindelig. Insofern liegt in Udanas letzter Bemerkung ein Hoffnungsschimmer. Mit fragend emporspringenden Brauen erkundigt sie sich: "Äh, ja...? Ums Altern?" Eigentlich ist es ja ganz normal, dass sich Gesprächsthemen ständig weiterentwickeln.
JR
Kurz wirft Wina dem Burschen einen mitleidigen Blick nach, als jener durch die Türe hinausschlüpft, dann wechselt ihr Blick wieder auf Udana - die Richtung ist ja ungefähr dieselbe.
Von dem Geviertel und Geachtel wird ihr fast schwindelig. Insofern liegt in Udanas letzter Bemerkung ein Hoffnungsschimmer. Mit fragend emporspringenden Brauen erkundigt sie sich: "Äh, ja...? Ums Altern?" Eigentlich ist es ja ganz normal, dass sich Gesprächsthemen ständig weiterentwickeln.
OHH
Bereits 'Viertel' ist für Wina ein ungebräuchlich neuer Begriff, doch die Argumentation leuchtet ein. Eifrig nutzen die Gedanken die kurze Pause und eilen voraus. "Vier doppelt sind acht... So nennt man das also? Achtel?" Das klingt seltsam und unvertraut. Offenbar ist sie nicht ganz sicher, ob sie nun nicken oder den Kopf wiegen soll, da ein unschlüssiges Umherwackeln dabei herauskommt.
JR
"Ja", erwidert Udana, "genauer gesagt, das Altern der Halbelfen und vor allem, warum ich nicht glaube, dass ich dabei eine typische Halbelfe bin. Es ist nämlich so, dass es weder unter meinen Eltern noch unter meinen Großeltern Elfen gab. Lediglich einer meiner Urgroßväter war ein Elf und alle anderen hatten Menschen als Gefährten." Bei diesen Worten legt sich ein wenig Traurigkeit über ihre Züge, denn kennengelernt hat sie von all diesen Halbelfen und Menschen keinen einzigen.
OHH
Da Wina nun einmal keine Gedanken lesen kann, missdeutet sie Udanas niedergeschlagene Ausstrahlung und versucht in der falschen Richtung, sie zu trösten: "Das macht dich doch nicht zu etwas Schlechterem oder Unvollständigem!"
JR
Udana sieht Wina vollkommen überrascht an und es vergehen einige Momente, bis ihr klar wird, das Wina Gesagtes und Ungesagtes offensichtlich ganz anders kombiniert hat, als dies in Udanas Kopf zusammengepasst hat.
"Äh... nein", stottert sie mehr als dass sie das sagt, "so sehe ich mich auch gar nicht. Es ist nur..." Sie hält inne und schüttelt den Kopf. "Bitte verzeih. Damit möchte ich dich nun wirklich nicht belästigen."
OHH
Wina winkt lächelnd ab. "Ach was! Belästige mich ruhig! Ich höre gern Geschichten und helfe auch gern - wenn ich kann." Das eben versäumte tröstende Streicheln von Udanas Unterarm wird nun einfach ohne Scheu nachgeholt.
JR
Udana zuckt bei der für sie vollkommen unerwarteten Berührung zusammen und will ihren Arm reflexartig zurückziehen, doch sie schafft es, die Absicht hinter dieser Geste so schnell zu erkennen, dass es bei einem einmaligen Zusammenzucken bleibt.
"So wichtig ist das nicht", beschwichtigt sie dann, wobei der Tonfall nicht wirklich zu den Worten passt, "mir ist nur gerade, als ich meine Vorfahren erwähnt habe, durch den Kopf gegangen, dass ich nur zwei davon jemals gesehen habe und nur eine wirklich gut kenne."
Sie versucht ein Lächeln. "Dabei ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass mein elfischer Urgroßvater noch lebt und vielleicht gar nicht so sehr viel älter als ich aussieht."
OHH
Wie schreckhaft Udana ist! Oder schlicht zurückhaltend und verschlossen? Alarmbereit? Jedenfalls ist Wina ob der unerwarteten Reaktion gleich ein wenig mit ihr zusammengefahren. Auch ihre Hand hat sie ein wenig zurückgezogen.
Doch rasch gelingt es ihr, auf die Worte der Halbelfe zu lauschen. Mit sich wieder vorsichtig nähernden Fingern bestätigt sie: "Ja, das ist sehr schade. Meine Familie lebt nicht so verstreut. Hast du je versucht, ihn zu treffen?" Noch schweben die Fingerspitzen fast wie suchend in der Luft nahe Udanas Unterarms.
JR
"Verzeih", sagt Udana leise, als sie merkt, dass sie Wina mit ihrem Zurückzucken ihrerseits erschreckt hat. Erst danach gehen ihre Gedanken zu der gestellten Frage, woraufhin sie den Kopf schüttelt.
"So einfach ist das nicht", erwidert sie dann, "denn meine Mutter wurde von ihrer Großmutter in sehr jungen Jahren verstoßen. Damit weiß sie über den Rest der Familie nicht mehr, als dass diese vor inzwischen ziemlich langer Zeit in oder um Selem gelebt haben. Sie ist bereits lange vor meiner Geburt eigens in den Süden gereist, um das zu erkunden, konnte jedoch nichts herausfinden."
Udana kämpft während dieser Worte gegen den Impuls an, ihren Arm noch weiter wegzuziehen, doch schließlich schafft sie es, ihn im Gegenteil sogar ein Stück weiter in Winas Richtung zu bewegen.
OHH
Gleich möchte Wina mit der Frage nach dem Warum hervorplatzen, doch der Name Selem weckt bereits so eine Ahnung. Jene könnte natürlich auf einem ungerechten Vorurteil beruhen. Eine gesamte Stadt voller Verrückter scheint schwer vorstellbar. Bestimmt würden die Menschen nicht lange überleben!
Aufgrund der Bewegung Udanas, legt Wina ihre Finger sanft ab - ganz beiläufig, als bemerke sie das selbst gar nicht recht.
Mangels anderer Ansätze muss sie sich nun doch erkundigen: "Weshalb wurde deine Mutter denn verstoßen?" Es klingt irgendwie gar nicht danach, als sei die weitere Suche überhaupt sinnvoll. Was kann es Wünschenswertes zu erfahren geben!
JR
Udana versteift sich zwar ein wenig, lässt die Berührung aber geschehen und weicht auch nicht zurück.
"Das weiß ich nicht", erwidert sie dann, "und auch meine Mutter hat dazu nur Vermutungen. Sie..." Udana hält inne, als ihr klar wird, dass sie sich zuvor an einer entscheidenden Stelle versprochen hat. "Ich glaube, ich habe gerade Unfug erzählt. Sie wurde nicht von ihrer Großmutter verstoßen, sondern von der meinen, also ihrer Mutter."
OHH
Zuerst klimpert Wina zweimal etwas verwirrt mit den Lidern, bis sie die Verwandtschaftsverhältnisse im Hinterkopf sortiert hat. "Das ist ja noch schlimmer!" platzt sie hervor.
Ups, das war etwas direkt und wenig feinfühlig. So beeilt sie sich zu trösten: "Das tut mir sehr leid." Vorsichtig legen sich zu den Fingerspitzen die Finger auf Udanas Arm, auch wenn sich Wina deren Scheu noch immer bewusst ist. Drum achtet sie auch genau auf deren Zeichen.
JR
Udana reagiert erst einmal gar nicht auf die erweiterte Berührung, doch schließlich lächelt sie zaghaft.
"Danke", sagt sie dann, "wobei es für meine Mutter natürlich viel schlimmer ist als für mich, denn ich kenne all das nur aus ihren Erzählungen. Jedes Mal, wenn ich das Gefühl habe, dass sie zu sehr auf mich aufpasst oder das zumindest versucht, muss ich daran denken, dass sie niemanden hatte, der das getan hat."
OHH
Es ist schon mal gut, dass die Halbelfe - oder wohl eher Achtelfe oder wie das hieß - die Zuwendung zulässt. Dennoch nimmt sich Wina vor, es nicht allzu lange dabei zu belassen, sofern nicht noch etwas dagegenspricht.
"Ja, traurig!" bestätigt sie. "Um so bemerkenswerter und wunderbarer, dass sie dir so etwas aus sich heraus geben kann, ohne es vorgelebt bekommen zu haben!"
JR
Udana weiß nicht so recht, was sie dazu sagen soll, so dass sie schließlich nur nickt.
"Was jenen Urgroßvater angeht", lenkt sie das Thema darum wieder ein ganzes Ende zurück, "so bin ich mir nicht sicher, ob meine Mutter die Suche wirklich schon aufgegeben hat. Sie hat das zwar gesagt, aber auf der anderen Seite hat sie sich viel Mühe gegeben, das, was sie in jüngeren Jahren selbst über die elfischen Kulturen gelernt hat, an mich weiterzugeben."
Während dieser Worte unternimmt sie keinerlei Versuch, sich zurückzuziehen oder sich Winas Zuwendung zu entziehen.
OHH
Langsam gewöhnt sich Wina an die Haltung, dass sie gar nicht mehr daüber nachdenk. Andererseits entspannt der Fortlauf des Gespräches sie auch, und der Anlass der Berührung verfliegt zunehmend. Drum nimmt sie die Hand unwillkürlich etwas zurück und überlegt: "Wie hat sie denn bislang nach ihm gesucht? Wisst ihr denn überhaupt seinen Namen?"
JR
"Sie hat nicht viel darüber erzählt", erwidert Udana, "ich weiß nur, dass sie vor meiner Geburt wenigstens einmal in den Süden gereist ist, um Erkundungen anzustellen, die aber erfolglos waren. Sie hat dort vor allem Orte aufgesucht, die an die sie sich aus ihrer Kindheit erinnert hat und dort mit den Leuten geredet. Das hat ihr einige Hinweis gebracht, denen sie dann gefolgt ist. Das hat aber stets ins Leere geführt, was wiederum vieles bedeuten kann."
Sie hält inne, doch dann wird ihr bewusst, dass Wina noch eine Frage gestellt hat.
"Den Namen kennen wir leider nicht. Meine Mutter ist sich nicht einmal sicher, ob jener Elf überhaupt weiß, dass er mit ihrer Großmutter, also meiner Urgroßmutter, ein Kind hat."
OHH
In den Süden? Ach ja, die Familie stammt ja aus Selem! Wie wohl der elfische Urgroßvater da hingekommen sein mag? Möglicherweise wäre das ja der sprigende Punkt, drum äußer Wina ihre Überlegung: "Vielleicht würde es ja weiterhelfen, wenn man wüsste, wie und warum er so weit in den Süden kam..."
JR
"Tatsächlich wissen wir das", erwidert Udana, "nur hat es bislang nicht dazu beigetragen, dem Rätsel näherzukommen. Er soll damals ein Abenteurer gewesen sein, der durch ganz Aventurien gezogen ist." Sie versucht ein Lächeln, das ihr allerdings nicht so ganz gelingt.
"Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass viele der Gründe, die einen Abenteurer in eine Gegend treiben, alles andere als hilfreich für so eine Suche sind."
OHH
Abenteurer - dieses Herumtreibergesindel, das nicht einmal eine Profession wie Söldner, Botenreiter oder Händler vorzuweisen weiß. Für Wina durchaus faszinierend!
"Wie meinst du das?" Vielleicht, weil er die Gründe niemandem verraten wollte...? Doch nein, sie sollen ja bekannt sein!
JR
Wieder ist Udana ein wenig verwirrt, doch dann macht sie sich klar, dass Wina eben keine Abenteurerin ist und ihr bisheriges Leben an diesem Ort verbracht hat.
"Manche Gründe sind sehr einfach", versucht sie, das zu erklären, was sie meint, "nimm einfach das Erlebnis, das ich euch vorhin erzählt habe. Wir sind nicht in jene Stadt gezogen, weil es dort etwas gibt, das für uns wichtig war oder das wir schon lange gesucht haben. Der Grund war schlicht, dass wir das Geld gebraucht haben, das dieser Händler uns für den Schutz vor Angriffen gezahlt hat. Falls jener Elf aus solch einem Grund in Selem war, dann wird das kaum dabei helfen, ihn nach so langer Zeit aufspüren zu können. Andererseits..." Sie hält inne, denn da sie sich alles andere als sicher ist, ob es nicht schlicht ein Missverständnis gibt, will sie Wina zumindest die Gelegenheit geben, dazu etwas zu sagen.
OHH
Ach so, es war also gar nicht sein eigener Grund, der ihn nach Selem führte! Seltsam ist, dass Udana sich darüber nun jedoch gar nicht mehr ganz sicher scheint. Wina könnte das eine äußern und das andere erfragen, doch fordert das letzte Wort ihre gesamte Aufmerksamkeit: "Andererseits?"
JR
"Andererseits", wiederholt Udana das Wort, das zuvor sowohl sie als auch Wina gesagt haben, "hat mich ein persönlicher Grund in dieses Gasthaus geführt." Sie zögert kurz, um die Gedanken wieder so zu sortieren, dass sie den Bogen zu dem schließen kann, was sie eigentlich sagen will.
"Was ich damit sagen will", spricht sie diesen Teil der Gedanken direkt aus, "ist, dass ein Abenteurer sicher das eine oder andere Mal aus seinen ganz eigenen Beweggründen irgendwohin reist, es aber noch häufiger Gründe gibt, die eigentlich gar nichts mit ihm selbst zu tun haben. Über meinen elfischen Urgroßvater wissen wir nur, dass er damals, bevor meine Großmutter auf die Welt kam, Abenteurer war. Ob ihn ein Auftrag nach Selem geführt hat oder er einen persönlichen Grund dafür hatte, wissen wir natürlich nicht, und ich fürchte, dass das jetzt auch niemand mehr herausfinden kann."
Etwas verspätet ergänzt sie: "Es sei denn, dass wir ihn finden, aber dann brauchen wir dieses Wissen auch nicht mehr."
OHH
Zuerst glaubt Wina, Udana spräche vom Grünen Eber, doch dann kommt ihr der Gedanke, sie meine vielleicht eher jenes, wo sie dem auftraggebenden Händler begegneten.
Doch alles weitere lenkt hiervon ab. Am Schlusse nickt Wina zustimmend. "Stimmt... Ich wünsche dir, dass du ihm eines Tages begegnest."
Ein wenig grinst sie bei ihrem nächsten Einfall: "Man stelle sich vor, ich hätte dasselbe Problem! Da müsste ich schon einen Geisterbeschwörer bemühen! Ein Glück, dass dein Großvater ein Elf ist!"
NW
Tesden steuert den Tisch an, an dem Wina noch sitzt, Caspar jedoch mittlerweile verschwunden ist. Er stellt den Apfelmost vor der jungen Frau ab und den großen Becher mit Wasser vor Udana.
JR
Bei der Erwähnung eines Geisterbeschwörers ist Udana versucht, sich zu dem offenbar nicht ganz so gruseligen Magier umzudrehen, doch sie unterdrückt dies in letztem Moment.
"Urgroßvater", korrigiert sie statt dessen, "und vielen Dank für deine Wünsche. Falls es dazu kommt, dann kann ich ihn immerhin angemessen begrüßen, auch wenn ich nicht glaube, dass ich ihn erkennen würde.
Habt vielen Dank", bedankt die junge Frau sich für das Wasser, das der Wirt gebracht hat, ehe sie sich wieder dem Gespräch zuwendet.
OHH
"Dankeschön!" lohnt Wina den Wirt für seine Lieferung fröhlich.
Wieder an Udana gewandt, merkt sie an: "Ja, da sagst du was! Wie verhinderst du, dass du an ihm vorbeiläufst und die Gelegenheit verstreicht? Das wäre doch zu ärgerlich - und traurig!"
AN
Seysshaban am Kamintish springt auf, und reißt seinen Krummdolch aus dem Gürtel. Dabei fällt der Sitz klappernd nach hinten. "Wo ist die Echse?" fragt er den Mann und stößt seinen Dolch in den Tisch. Er blickt intensiv im Raum umher und auch unter den Tisch, an dem er steht.
NW
Tesden nickt den Gästen noch einmal freundlich zu, und schon ist er auf dem Weg zum nächsten Tisch. In diesem Moment zieht der junge Tulamide jedoch seinen Dolch. Erschrocken macht der Wirt drei rasche Schritte rückwärts, die Augen weit aufgerissen.
OHH
Aber was ist denn da am Kamintisch los! Ein Streit vielleicht? Was für eine Echse? Hat er etwa noch ein Tier mit in den Schankraum gebracht, das jetzt auf dem Tisch umherhuscht, und er versucht nun, es mit seinem Dolch zu erlegen? Das arme Tier - und der arme Tisch!
Hoffentlich können Tesden und der Thorwaler ihn beruhigen! Seinem endlosen Wortschwall nach hat er wohl zuviel getrunken.
JR
Udana kommt nicht wirklich dazu, über Winas Worte nachzudenken, denn die Geräusche vom Kamintisch wecken die trainierten Reflexe der Kriegerin. Während sie in die betreffende Richtung herumfährt, zieht sie ihre Hände, die zuletzt friedlich auf dem Tisch gelegen hatten, von selbigen und lässt sie rasend schnell in den Untiefen der Taschen ihres Umhangs verschwinden. Wonach sie dort greifen, bleibt verborgen, aber Udanas Haltung lässt keinen Zweifel daran, dass sie bereit ist, sich zu wehren, falls dies nötig sein sollte.
Sie erfasst allerdings schnell, dass keine unmittelbare Gefahr droht und es zumindest im Moment so aussieht, als könnten die Personen am anderen Tisch selbst mit dem umgehen, was dort geschehen ist. Dessen ungeachtet schiebt sie jedoch ihren Stuhl unwillkürlich ein Stück zurück, um jederzeit aufspringen zu können.
Erst danach kehrt ihr Blick zu Wina zurück und streift dabei auch das den Becher Wasser, den der Wirt gebracht hat. "Alkohol und Waffen passen nicht zusammen", sagt sie sehr leise, aber immerhin laut genug, um von Wina gehört zu werden.
OHH
Vermutlich sind in Udanas Taschen die Wurfdolche versteckt, von denen sie so viel erzählt hat. Ihren Worten jedenfalls kann Wina nur zustimmen: "Ja, wirklich! Aber erstaunlich, wie schnell er dabei noch zu sprechen vermag!" Und viel, könnte man anfügen. Dem steht auch der Thorwaler nicht nach, jedoch ist dies bei ihm ja eher ein Glück, wie es aussieht, da er eine weitere Stecherei zu verhindern und den Verrückten hinauszuführen sucht. Sowas hätte sie von Seysshaban vorhin nicht gedacht!
JR
Auch wenn das Thema, über das Wina und sie zuletzt geredet haben, Udana ziemlich nahe geht, so ist es aus ihren Gedanken vorerst verdrängt, denn wenn auf engem Raum mit Waffen herumgefuchtelt wird, kann es für alle Beteiligten sehr schnell gefährlich werden. Um sich selbst macht sie sich dabei keinerlei Gedanken, weiß sie doch, dass sie im Notfall schnell genug ist, um einem Angriff erst einmal entgehen zu können. Sie macht sich vielmehr Sorgen um Wina und die anderen Gäste.
Sie antwortet darum nicht sofort auf Winas Worte, sondern beobachtet das Geschehen für einige Augenblicke, um zumindest ein wenig Klarheit zu gewinnen. Sie bewegt sich dabei mit Ausnahme der Augen nicht sichtbar, aber in den tiefen Taschen ihres Umhangs haben sich ihre Hände längst fest um die vertrauten Griffe der tödlichen Wurfmesser gespannt. Genau dort bleiben sie aber auch mitsamt der Messer, so dass einzig die angespannte Haltung darauf hinweist, dass die Kriegerin kampfbereit ist.
"Ich glaube, das ist nicht nur der Alkohol", sagt sie dann ähnlich leise wie zuvor, wobei ihr Blick dieses Mal nicht zu ihrer Gesprächspartnerin zurückkehrt, sondern auf das Geschehen am anderen Tisch gerichtet bleibt, "mir scheint, als würde da auch eine schreckliche Erinnerung eine Rolle spielen." Diese Worte klingen nicht so ruhig, wie Udana es eigentlich möchte, aber immerhin schafft sie es, viel Selbstsicherheit in sie zu legen.
OHH
Vielleicht hat Udana recht: Man muss wohl auch ein wenig Mitleid mit dem Tropf haben. Womöglich hat ihn überhaupt erst ein Kummer zum Trinken verleitet. "Trotzdem ist das keine Entschuldigung!" stimmt sie leise der Vermutung indirekt zu. Solche Leute sind einfach zu rücksichtslos.
JR
Ehe sie antwortet, wirft Udana einen weiteren Blick in Richtung der Ereignisse am Kamintisch. Es sieht vorerst nicht so aus, als würde die Gewalt dort eskalieren, aber ungeachtet ihrer Jugend hat Udana schon mehr als einmal erlebt, dass solch ein Eindruck täuschen kann. Ihre Finger, die nach wie vor die Griffe der Wurfmesser in den Tiefen der Taschen ihres Umhangs umfassen, entspannen sich darum in keiner Weise und auch sonst bleibt die Kriegerin angespannt.
"Vermutlich nicht", entgegnet sie dann, "wobei ich nicht mitbekommen habe, wie das angefangen hat. Ich habe es selbst noch nicht erlebt, aber wenn jemand etwas Schreckliches erlebt hat, dann kann schon etwas sehr kleines ausreichen, um ihn dies wieder erleben zu lassen."
Sie hält kurz inne, ehe sie gedanklich zu Winas Worten zurückkehrt. "Waffen sollte man dann aber wirklich aus dem Spiel lassen."
OHH
Zu schlimmen Erlebnissen kann Wina nichts sagen; sie hat immer ein wohlbehütet friedliches Leben gehabt, dazu alle Freiheiten, die man sich als Kind wünschen konnte. Auch die Schneiderei gibt kaum Ärgerlicheres als einen gepieksten Finger oder einen unangenehmen Kunden her. So zuckt Wina dazu die Achseln.
Zu den Waffen meint sie jedoch: "Schon, aber die sind halt gerade da - im Gegensatz zum Verstand."
JR
Udanas Blick huscht rasch zwischen den Menschen am anderen Tisch und Wina hin und her. Es sieht danach aus, als wollten jene das Gasthaus durch die Tür verlassen, was Udana für eine sehr gute Lösung hält, die allerdings das Problem hat, dass der Weg ziemlich nah an ihrem Tisch vorbei führt. Immerhin, und das beruhigt sie gleich wieder, steht ihr Stuhl der Tür viel näher als der Winas.
"Zum Glück ist es nur ein Dolch", entgegnet sie ebenso leise wie zuvor, "eine Axt oder ähnliches wäre hier drinnen weitaus gefährlicher."
Sie rückt ihren Stuhl nach diesen Worten ein klein in Richtung des Raumes herum und zugleich etwas näher an den Tisch heran. So muss sie sich weniger verrenken und hat zudem etwas mehr Abstand zwischen sich und dem nach draußen führenden Weg.
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So ganz schlüssig wird sich Wina nicht, ob Udana sehr klug damit tut oder etwas übervorsichtig ist. Doch fraglos hat jene weit mehr Erfahrungen - überhaupt welche, um genau zu sein - mit Waffen und Gefahrensituationen. Dies könnte beruhigen, so gut beschützt zu werden. Zugleich hingegen weist es Wina erst recht auf die Bedrohung hin, welche sie ansonsten fast zu vergessen vermochte, da die Verrückten ja nur aufgeregt miteinander tuscheln.
"Seltsam, dass seine Schwester, der Thorwaler und diese andere Tulamidin da auch noch mitmachen! Oder wollen sie ihn nur beruhigen?" Mit einem Kopfschütteln sucht sie, die verwirrten Gedanken in Ordnung zu bringen.
JR
Udana rückt noch ein Stück weiter von der Tür weg, als sie sieht, dass die anderen den Mann mit dem Dolch tatsächlich auf dem kürzesten Weg aus dem Gasthaus führen, also ziemlich direkt an ihr vorbei. Sie denkt erneut darüber nach, aufzuspringen und ein ganzes Stück zur Seite zu gehen, doch das könnte ebenso auch ganz schnell dazu führen, die ganze Lage erst recht zu eskalieren. Somit bleibt sie sitzen, während sie versucht, sich ihre Anspannung nicht anmerken zu lassen. In ihren tiefen Taschen hingegen, verborgen vor den Blicken aller, sind ihre Hände weiterhin bereit, die beiden Dolche bei Bedarf zum Einsatz zu bringen.
"Sie wollen ihn schnell nach draußen bringen", entgegnet sie auf Winas Worte, wobei sie noch leiser spricht, denn auch das soll niemand außer der Schneiderin hören. Das ist zugleich auch der Grund, warum sie nur diese wenigen Worte sagt, denn schließlich kommen die anderen näher.
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Wina nickt, sowas war ja zu vermuten. Dann ist es wohl am besten, wenn sie jetzt auch die Klappe hält und ganz harmlos und unbeteiligt tut. Zumal sich dies ja genau so verhält, muss sie sich im Grunde nicht groß verstellen. Dennoch schmückt sie ihr empfundenes Theater mit einem Blick zur Decke aus, als beobachte sie unter freiem Himmel einen Vogelflug.
JR
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JR
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JR
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Wird fortgesetzt...
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Redaktion und Lektorat: Oliver H. Herde im Jahre 2026