Wina, die Heldin und der Bauernbursch II

Autoren: Jan Richling, Oliver H. Herde, Ralf Büngener und andere

RB

"Erzählst du uns von einem Auftrag, der so gut gelaufen ist, dass deine Mutter spendabel war?" bittet Caspar, dessen Hunger auf Geschichten unersättlich scheint.

JR

"Das kann ich gerne machen", erwidert Udana, "falls wir Wina damit nicht langweilen." Ihr Blick geht in deren Richtung, während ihre Gedanken sich schon die Frage zu drehen beginnen, welches Erlebnis passen könnte und vor allem auch erzählt werden konnte, ohne dass sie damit gegen ein gegebenes Wort verstoßen würde.
Sie hat diesen Gedanken kaum zuendegedacht, als sie auch schon eine Idee hat, die sie sofort ausspricht: "Ich könnte von einem Auftrag erzählen, der nicht nur dazu geführt hat, dass wir hinterher in einem teuren Gasthaus eingekehrt sind, sondern auch dazu, dass ich zu der bislang bequemsten Reise meines Lebens gekommen bin."

OHH

Wie kommt Udana nur auf Langeweile? Wirkt Wina auf sie so geistesabwesend? Diese Vermutung muss mit einem sachten Kopfschütteln zurückgewiesen werden. Im Grunde war das Hören von Geschichten schon seit ihrer Kindheit stets ein Hauptgrund für ihre Eberbesuche.
Auf den Vorschlag hin jedoch nickt sie ermunternd.

JR

Udana zögert für einen Moment, ehe sie Winas Kopfnicken folgt. "Es war vor zwei Götterläufen in" - sie stockt, denn auch wenn es seitens des Händlers, für den sie damals gearbeitet haben, kein Verbot gegeben hat, im Detail darüber zu reden, so ist es in diesem Gewerbe keine gute Idee, allzu detailliert über ehemalige Auftraggeber zu reden - "in einer kleinen Stadt irgendwo ziemlich weit weg von hier. Unser Auftrag war eigentlich in keiner Weise besonders, denn wir sollten einen Händler mit seiner wertvollen Fracht auf einem Weg von vielleicht drei oder vier Tagesreisen beschützen. Besonders wurde er erst dadurch, dass dieser Händler sonst mit wesentlich weniger wertvollen Ladungen unterwegs war, so dass er befürchtet hat, dass ein offensichtlicher Schutz erst recht dazu führt, dass jemand ihn überfällt."
Udana lächelt, als sie sich an die Gespräche mit dem Händler erinnert. "An der Stelle hatte ich sofort eine Idee, die dem Händler auch gefallen hat, aber es hat eine Weile gedauert, bis meine Mutter damit einverstanden war."

OHH

Für Wina ist der Ort des Geschehens nebensächlich, da sie ihn vermutlich eh nicht kennt. Dem Gedanken des Händlers hingegen kann sie gut folgen. Anscheinend wollte Udana sich nicht einfach als Wagenlenkerin oder derlei verkleiden, wenn die Mutter Einwände hatte. Etwas anderes will Wina jedoch nicht einfallen, was ja auch unnötig ist: Sie wird es ja gleich erfahren.

RB

Caspar ist still, aber aufmerksam. Er hängt geradezu an den Lippen der Erzählerin. Der Tee, der vor ihm langsam kalt wird, ist längst vergessen ebenso wie jeglicher Gedanke an Arbeit.

JR

"Wir haben zwei Tage gebraucht, um uns vorzubereiten", fährt sie fort, wobei sie in voller Absicht einen gewissen Zeitsprung nach vorne macht, "und dann ist der Händler mit seiner wertvollen Fracht aufgebrochen, ohne dass jemand auch nur den geringsten Verdacht geschöpft hat, dass irgend etwas anders sein könnte als sonst. Ganz so, wie er es immer macht, hat der Händler den Wagen selbst gelenkt, während seine rothaarige, etwa fünfzehnjährige Tochter es sich zwischen dem Kutschbock und der Ladung auf einem wahren Berg von Kissen gemütlich gemacht hat. Ihr müsst nämlich wissen, dass jener Händler seine Tochter ab und an mitnimmt, so dass das in keiner Weise etwas Besonderes war und sich beim Aufbruch niemand gewundert hat. Tatsächlich war es schon länger klar, dass sie ihn bei dieser Reise begleitet."
Udanas Blick geht nach diesen Worten für einen kleinen Moment fast schon neidisch zu dem Tee, der von Caspar offenbar vollkommen ignoriert wird, dann sieht sie wieder mit einem Lächeln zu ihren Zuhörern.

OHH

Da fehlt doch etwas - oder vielmehr jemand! "Und wo wart ihr?" fragt Wina verwundert. "Seid ihr mit Abstand hinterhergeritten?" Oder ob sich Udana womöglich als die Tochter verkleidet hatte?

JR

Udana sieht Wina bei deren Frage überrascht an. Hatte sie nicht genau das schon gesagt? Oder ist ihr Versuch, einen zeitlichen Sprung in die Geschichte einzubauen, vollkommen gescheitert und hat die andere auf einen vollkommen falschen Weg geführt? Zumindest bei den Barden hat sich derlei immer sehr einfach angehört, nur muss sich Udana eingestehen, dass sie eben keine Bardin, sondern eine Abenteurerin ist.
"Das hat meine Mutter getan", erwidert sie, nachdem sie ihre Überraschung zur Seite geschoben hat, "nachdem sie die echte Tochter des Händlers heimlich zu deren Großmutter gebracht hat. Ich hingegen hatte es richtig bequem auf dem Wagen und musste auf dem anfänglichen Weg durch die Stadt nur darauf achten, dass man genug, aber nicht zu viel sehen konnte. Ihr müsst wissen, dass ich der echten Tochter mit den rot gefärbten Haaren und in ihren Sachen aus einigem Abstand schon halbwegs ähnlich sah, nur eben nicht im Gesicht und auch nicht von der Größe her. Darum bin ich auf dem ersten Teil des Weges, der durch die Heimatstadt des Händlers ging, auch auf dem gemütlichen Kissenberg sitzen geblieben und habe so getan, als würde ich ein Buch lesen."

OHH

Zufrieden über die eigene Schlussfolgerungsgabe, lauscht Wina dem weiteren Fortgang der Geschichte.

JR

"Die nächsten zwei Tage waren sehr gemütlich, aber auch sehr langweilig, denn es ist nichts geschehen. Ich langweile euch darum nicht mit den Details unserer Besuche in mehreren Gasthäusern, sondern komme gleich zum dritten Tag der Reise."
Udana macht eine kurze Pause, in der sie überlegt, ob sie erwähnen soll, dass ihre Mutter dem Gespann während dieser Zeit mit einem geringeren Abstand gefolgt ist, als sie sich das gewünscht hat. Sie entscheidet sich jedoch rasch dagegen, denn es trägt nicht zur Geschichte dabei, zumal sie an jenem zweiten Abend gut versteckt ein kurzes Gespräch geführt haben, in dessen Folge Uyna am dritten Tag den vereinbarten Abstand eingehalten hat.
"Jener war ein schöner Sonnentag, der für den Frühling, den wir damals hatten, auch ziemlich warm war. Es war darum angenehm, als der Weg in ein ausgedehntes Waldgebiet geführt hat, wo die riesigen Bäume so viel Schatten spendeten, dass nur wenige Sonnenstrahlen den Boden erreichten."
Udana hält erneut inne, als sie sich ertappt, wieder zu viele Kleinigkeiten einzubringen und zudem versucht, den Stil eines Barden nachzuahmen.
"Das hat für angenehme Temperaturen gesorgt", fährt sie fort, "aber eben auch dazu, dass fast jeder dieser gewaltigen Bäume ein perfektes Versteck geboten hat. Ich hatte es also weiterhin auf meinen Kissen sehr gemütlich, aber ich habe die Ränder des Weges nun noch aufmerksamer als zuvor im Blick behalten."

RB

Bei der Erwähnung der roten Haare streicht Caspar lächelnd über seine eigenen, kurzen. Da in Udanas Haaren aber keine Spur von Rot mehr zu sehen ist, muss diese Geschichte wohl schon eine Weil her sein. Wie jung sie wohl damals war? Altern Halbelfen anders als Menschen?
Aber jetzt kommt gleich der spannende Teil. Soweit kriegt die Erzählerin den Stil der Barden schon hin. Unbewusst hält Caspar sich am Tisch fest.

JR

Udana überlegt, wie sehr sie ins Detail gehen soll, was ihre Vorbereitungen auf einen möglichen Angriff angeht, denn natürlich hat sie nicht einfach nur faul auf den vielen Kissen gesessen. "Ganz stimmt das mit der Gemütlichkeit aber auch nicht", entscheidet sie sich für einen Mittelweg, "denn ich habe diese Kissen mit meinen griffbereiten Waffen geteilt. Eine ganze Weile ist nichts geschehen, wenn man davon absieht, dass ich den Händler wecken musste, als er mit den Zügeln in der Hand kurz eingenickt ist. Ich glaube, er ist fast wieder eingeschlafen, als es schlagartig losging."
An dieser Stelle wäre eine dramaturgische Pause sicher angebracht, doch die Erinnerung an das, was dann geschah, lässt Udana rasch weiterreden. "Zwei Männer mit großen Äxten sind auf beiden Seiten des Weges gleichzeitig aus ihren Verstecken gesprungen. Derjenige, der von rechts gekommen ist, hat die Pferde zum Stillstand gebracht, während der andere seine Axt hochgerissen hat und damit ohne jede Vorwarnung auf den Händler losgegangen ist."
Udana atmet einmal tief durch, ehe sie fortfährt. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass er mich bei diesem Angriff nicht als Bedrohung gesehen hat, denn er hat meine beiden Messer erst wahrgenommen, als sie ihn fast gleichzeitig getroffen haben. Darum konnte ich mich aber nicht weiter kümmern, denn der andere war offenbar schlauer und hat mit seiner Axt nach mir geworfen."

OHH

Was für ein Waffenhagel! Wie unübersichtlich! Doch Udana kam damit offenbar zurecht. Jedenfalls sitzt sie hier, das alles zu erzählen. Dass sie so ruhig bleiben kann und so abgebrüht ist!
Von dieser Geschichte bekommt Wina einen ganz trockenen Hals, obgleich sie diese ja nicht selbst berichtet. Daher huschen ihre Blicke eilig durch den Schankraum, um nicht durch schlechtes Zuhören Wichtiges zu verpassen. Bestimmt kommt Tesden gleich wieder vorbei; dann will sie ihn einfangen.

RB

Caspar ist voll in der Geschichte gefangen. Seine Augen sind starr auf Udana gerichtet, doch fast sieht er die Axt auf sich zufliegen. Gasthof und Arbeit sind weit weg.

JR

"Der Held einer jener Geschichten hätte sich die Axt sicher aus der Luft gefischt und sie dann gleich zurückgeworfen", fährt Udana nach einem kurzen Blick zu ihren Zuhörern fort, "aber das ging so schnell, dass ich mir darüber weder Gedanken machen noch irgendwelche Pläne schmieden konnte. Ich habe mich einfach in meinen Kissenberg fallengelassen. Leider war nicht genug Platz, so dass der Griff der Axt trotzdem meine Schulter gestreift hat, was ziemlich weh getan und für einen ordentlichen blauen Fleck gesorgt hat." Ungeachtet der Tatsache, dass dies schon zwei Götterläufe her ist und von jenem blauen Fleck natürlich nichts mehr übrig ist, reibt sich die junge Frau bei diesen Worten die linke Schulter.
"Die Axt ist irgendwo hinter mir eingeschlagen, aber da hatte ich auch schon meinen Säbel in der Hand und habe mich nach rechts vom Wagen rollen lassen. Dass ich mir dabei oder vielleicht auch schon beim Ausweichen an einem meiner eigenen zurechtgelegten Messer auch einen Schnitt am Bein eingehandelt habe, habe ich erst viel später gemerkt. In diesem Moment habe ich den Schmerz nicht einmal wahrgenommen."
Sie verzieht das Gesicht bei der Erinnerung. "Dafür war es später dann umso unangenehmer."

NW

Gerade will sich Tesden zu Barde und Magier aufmachen, als sein geschultes Auge Winas Blick einfängt. Er nimmt Blickkontakt mit ihr auf und wendet sich auch ihrem Tisch zu.

OHH

Kein Schnitt? Da hat Udana aber viel Glück gehabt! Oder einfach genügend Schnelligkeit. Jedenfalls gab das dann bestimmt keine Narbe oder Wundbrand. Dennoch scheint es noch wehzutun, aber vermutlich liegt das nur an der schrecklichen Erinnerung.
Dass man im Eifer eine kleinere Verletzung zuerst nicht mitbekommt, kenn Wina noch vom Herumtoben als Kind. Wenn man dann später an einem Schnitt oder Kratzer ständig mit allem hängenbleibt, ist das schon was anderes.
Da Wina im Blickwinkel Tesden herannahen sieht, lächelt sie ihm freudig entgegen.

RB

"Autsch", entfährt Caspar leise. Gleich darauf hält er sich die Hand auf den Mund. Denn er will ja nicht die Erzählung unterbrechen. Unter einer fliegenden Axt wegducken und mit dem Säbel in der Hand von einem fahrenden Wagen rollen klingt schon sehr abenteuerlich.
Er kennt das auch, dass er manchmal abends Verletzungen an sich entdeckt, die er sich während des Tages zugezogen hat, ohne es zu merken. Und das obwohl sein Leben deutlich weniger aufregend ist. Außer wenn die Schweine ausbrechen, aber dann sind eher Hund und Lasso gefragt als Säbel.

NW

"Was kann ich für Euch tun?" fragt Tesden, den gesamten Tisch in seine Frage einbeziehend. Das Tablett mit den beiden Getränken für Barde und Magier setzt er derweil auf dem Tisch ab.

JR

Udana lächelt, als sie sieht, dass Caspar sich nach seiner Bemerkung die Hand vor den Mund hält und will darum rasch fortfahren, um ihn nicht länger auf die Folter zu spannen. Zumindest ist das ihre Absicht, aber der an den Tisch tretende Wirt sorgt dafür, dass dies erst einmal nur eine solche bleibt, denn es wäre unhöflich, einfach weiterzureden und ihn zu ignorieren. Außerdem hat das viele Reden ihren Durst in keiner Weise gestillt, sondern eher das Gegenteil bewirkt.
"Ich hätte gerne einen großen Becher mit Wasser", sagt sie darum in Richtung des Wirts, "und später werde ich auch etwas essen, aber darüber muss ich mir noch Gedanken machen und gebe Euch später Bescheid."
Da Winas Lächeln in Richtung des Wirts vermuten lässt, dass zumindest sie, aber vielleicht auch Caspar ebenfalls etwas bestellen wollen, fährt sie erst einmal nicht mit der Erzählung fort.

OHH

Nanu, bringt Tesden schon Getränke, bevor man sie bestellt hat? Bestimmt sind die für einen anderen Tisch gedacht.
Wasser? Wina schaut Udana kurz überrascht an. Von dieser Kämpferin hätte sie eher das Verlangen nach einem Schnaps erwartet.
Gut, das ist ihre Sache. Zurück zum Wirt: "Ich brauche jetzt auch was zu Trinken." Nach raschem Überlegen fügt sie an: "Einen Apfelmost hätte ich gerne."

JR

Winas überraschter Blick entgeht Udana nicht, allerdings kann sie ihn nicht auf Anhieb einordnen. Geht es um das, was sie zuletzt erzählt hat? Das wäre zwar etwas spät, aber andererseits hat Wina sich auch noch darum gekümmert, dass der Wirt an den Tisch kommt. Oder geht es um ihre Bestellung, oder besser gesagt, ihre Noch-Nicht-Bestellung des Essens?
Udana kommt zu keinem wirklichen Schluss, so dass ihre Gedanken wieder zu der Erzählung zurückkehren und somit der Frage, wie detailliert sie den Rest der Ereignisse erzählen soll. Ausgesprochen wird davon aber erst einmal nichts, denn sie will sicher nicht so unhöflich sein, den Wirt, der an diesem Tag bestimmt viel zu tun hat, aufzuhalten.

OHH

Da Tesden nicht reagiert, wartet er bestimmt noch, ob Caspar auch etwas haben möchte. Daher wandern Winas Blicke zwischen diesen beiden hin und her, dass sie von Udanas inneren Rätseln um so weniger mitbekommen kann.

NW

"Für dich auch was zu trinken, nachdem du schon so fleißig geholfen hast, Caspar?" fordert Tesden den Jungen auf, sich nicht zu genieren und auch was zu bestellen.

RB

Als der Wirt an den Tisch tritt, versucht Caspar mit seinem Stuhl zu verschmelzen und unsichtbar zu werden. Schließlich ist er zum Arbeiten hier, nicht zum Geschichten hören. Aber Siona hat ihm freigegeben, bis sie wiederkommt, rechtfertigt er sich.
Als Teden ihn dann direkt anspricht, muss er doch den Blick heben und antworten: "Nein, nein danke... Ich... Sarina hat mir schon einen Tee gegeben." Dabei deutet er auf den inzwischen nicht mehr dampfenden Becher vor sich.

NW

"Gut, also Wasser und Apfelmost, kommt sofort", wiederholt Tesden die Bestellung, während er das Tablett wieder aufnimmt. Mit einer Geste bedeutet er dem Thorwaler, dass er gleich bei ihm sein wird, steuert dann jedoch zunächst den Tisch des greisen Magiers an.

JR

"Wo war ich?" fragt Udana an sich selbst gerichtet, nachdem der Wirt den Tisch wieder verlassen hat.
"Der eine Angreifer ist mit der Axt auf den Händler losgegangen und hat meine beiden Wurfmesser abbekommen, während der andere den Wagen zum Stillstand gebracht und seine Axt nach mir geworfen hat", fasst sie rasch den Anfang zusammen, stockt dann aber kurz, weil sie sich nicht sicher ist, ob sie ein wichtiges Detail überhaupt schon erwähnt hat.
"Denkt jetzt aber bitte nicht, dass dieser Mann sich heldenhaft galoppierenden Pferden in den Weg gestellt hat. Die Reise war lang und die Ladung ziemlich schwer, so dass das Fuhrwerk nicht schneller gefahren ist, als man üblicherweise geht. Ebenso waren das keine Streitrösser, sondern sanftmütige Zugpferde, die sicher sogar froh darüber waren, dass sie anhalten durften."
Nicht zum ersten Mal denkt Udana für einen kleinen Moment darüber nach, wie sehr sie ins Detail gehen soll und fährt dann fort: "Nachdem ich der Axt zum größten Teil entgangen bin, habe ich mich mit dem Säbel in der Hand nach rechts vom Wagen rollen lassen und stand dann knapp zwei Schritte neben dem Wagen wieder auf meinen Füßen. Ich wusste, dass der Axtwerfer bei seinem Wurf ein Stück weiter vorne neben den Pferden gestanden hatte, aber natürlich hat mein Ausweichen auch eine gewisse Zeit gedauert, in der er nicht untätig geblieben ist. Damit lagen nun nur noch etwa drei Schritt zwischen mir und einem großen Mann, der ein seltsam aussehendes Schwert in der Hand hielt und mit wütendem Gesichtsausdruck auf mich zu gestürmt ist."

OHH

Auch Wina muss sich nach der Unterbrechung erst einmal wieder auf die abenteuerliche Szenerie zurückbesinnen. "Wie furchtbar!" entfährt es ihr. Fast möchte sie fragen, ob Udana diesen Ansturm denn überlebt habe - aber immerhin sitzt sie ja hier! Unwillkürlich huscht der Blick an allen sichtbaren Stellen auf der Suche nach Narben und Verstümmelungen entlang.

JR

Dank des langen und weiten Umhangs zeigt Udana kaum Haut, doch es ist klar zu sehen, dass sie weder im Gesicht noch am Hals irgendwelche Narben hat. Ihre Hände haben genau so viele Finger, wie man erwarten würde, aber sie zeigen durchaus auch Spuren von längst verheilten Verletzungen, die allerdings nicht besonders tief gewesen zu sein scheinen.
"Furchtbar war eigentlich nur der Gesichtsausdruck des Kerls", fährt Udana fort, "und vielleicht auch seine Wut, die nicht so recht dazu gepasst hat, dass er lediglich mit seiner Axt das Ziel verfehlt hat. Diese Wut hat sich auch in seinem Kampfstil gezeigt, denn er hat das Schwert mit beiden Händen erhoben und damit um sich gehackt, als würde er mit einer Axt versuchen, einen Baum zu fällen."
Udana hält kurz inne, als ihr klar wird, dass diese Beschreibungen für jemanden, der kein erfahrener Kämpfer ist, viel mehr Dramatik einbringen als es damals wirklich gegeben hat, denn nichts an diesem Angriff war gekonnt. "Das klingt viel schlimmer, als es war", beeilt sie sich darum, genau diese Dramatik wieder herauszunehmen, "denn der Mann war ganz sicher kein guter Schwertkämpfer, sonst hätte er in seine Schläge mehr Überlegung und weniger Kraft gesetzt. Ich habe darum auch gar nicht erst versucht, mit meinem Säbel zu parieren, sondern bin einfach ausgewichen und an ihm vorbei nach vorne gehuscht. Zwischen Wagen und Dickicht war nämlich nicht viel Platz und außerdem konnte ich von dort aus den zweiten Angreifer nicht sehen. Ich hatte nämlich keine Lust, mitten im Kampf eine Axt an den Kopf zu bekommen."

OHH

Auch beim Baumfällen muss man schon etwas gezielter vorgehen, weiß Wina aus eigener Beobachtung heraus. Doch der letzte Satz Udanas ruft schon wieder ein abscheuliches Gedankenbild hervor. "Igitt! Nein, natürlich nicht!"

JR

Winas Bemerkung bringt Udana für einen kleinen Augenblick aus dem Konzept, geht dies doch in eine ganz andere Richtung als das, was sie damals bewegt hat.
"Mit 'Igitt' hast du natürlich recht", fährt sie fort, "aber an das, was du dir vermutlich gerade vorstellst, habe ich damals nicht einmal gedacht. Bei dem Abstand hätte es auch gereicht, die Axt mit der stumpfen Seite oder gar dem Griff an den Kopf zu bekommen, um den Kampf sofort zu beenden. Als ich etwa auf Höhe der Deichsel war, habe ich darum einen kurzen Blick zu dem anderen Angreifer riskiert. Da, wo ich ihn erwartet hatte, war er nicht, aber im Augenwinkel habe ich gesehen, dass er auf der anderen Seite der Deichsel vor dem Wagen auf dem Boden lag und der Händler neben ihm stand. Ich habe mich allerdings nicht weiter darum gekümmert, herauszufinden, was sie da genau tun, denn auch wenn mein Gegner mit seinem Schwert offensichtlich nicht sehr geschickt war, so lag in seiner Kraft und seiner Größe eine ernste Gefahr."
Udanas Blick folgt nach diesen Worten kurz dem Wirt, der sich in Richtung des Tisches mit dem vermutlich doch nicht so gruseligen Magiers entfernt, kehrt dann aber wieder rasch zu ihren Zuhörern zurück.
"Er ist in dem Moment, in dem ich nach dem anderen Angreifer geschaut habe, natürlich wieder näher gekommen und hat mich erneut angegriffen. Wobei - 'angegriffen' ist nicht das richtige Wort; er hat eher wieder mit seinem Schwert nach mir gehackt. Ich bin einfach noch ein Stück weiter zurückgesprungen, um aus seiner Reichweite zu kommen und einen besseren Stand für meinen eigenen Angriff zu haben. Er hat das offenbar als Zeichen der Schwäche verstanden und gebrüllt, dass ich mein Käsemesser fallen lassen soll, wenn ich weiterleben will. Er hat tatsächlich noch ein paar wesentlich härtere Worte verwendet, aber die will ich in diesem Gasthaus nicht wiederholen."

RB

Nachdem der Wirt sich abwendet, wendet Caspar sich wieder vollends der Geschichte zu. In Gedanken macht er jede Bewegung mit und ist immer noch erstaunt, wieviel mehr in so einem Kampf im Kopf der Kämpfenden passiert als nur das reine Schwingen der Waffen.

OHH

"Auf sowas kann ich auch gut verzichten", bestätigt Wina ernst nickend. Dieser Geschichte fehlt es ein wenig an Zauber; sie ist vorwiegend gewalttätig. Aber so muss man sich das wohl realistischerweise vorstellen. Reisen finden eben nicht wie im Märchen statt, selbst im Horasreich nicht. Zumindest wird in den Geschichten das Abscheuliche eines Kampfes nicht so eingehend beschrieben. Wie viel schlimmer muss das erst in der Wildnis nördlicher Länder sein! Na, Udana vermittelt ja bereits einen Eindruck.

JR

"Keine Sorge, ich könnte das nicht einmal wiederholen, wenn ich es wollte", erwidert Udana, "denn ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich etwas besseres zu tun hatte, als da genau zuzuhören." Diese Worte sind zwar ebenso ruhig ausgesprochen wie jene zuvor, aber dennoch lässt ihr Tonfall keinen Zweifel daran, dass sie bei jenem Kampf längst nicht so ruhig war.
"Dieser Mann war etwa so groß wie ich", fährt sie fort, "aber wenigstens doppelt so breit und wog bestimmt das Drei- oder gar Vierfache." Sie deutet vor allem die Breite an, indem sie ihre Hände übertrieben weit auseinander hält. "Seine Hiebe haben außerdem keinen Zweifel daran gelassen, wie kräftig er war. Ich weiß nicht, ob ich es überhaupt geschafft hätte, sie mit meinem Säbel zu parieren, ohne mir das Handgelenk zu brechen. Darum habe ich das gar nicht erst versucht, sondern habe meinen Vorteil, viel schneller als er zu sein, lieber genutzt, um ihm auszuweichen und meinerseits in eine gute Position zu kommen."
Udana hält inne, als ihr bewusst wird, dass sie längst nicht mehr so ruhig spricht wie zuvor. Sie atmet einmal tief durch und fährt dann betont ruhig mit dem fort, was dann geschehen ist: "Seine Beschimpfungen sind dann einem lauten Schrei gewichen, als sich mein Säbel wenigstens eine Handbreit tief in sein Bein gebohrt hat."

RB

'Autsch.' Einen Moment lang verzieht Caspar schmerzhaft das Gesicht. Das weicht aber schnell einem Grinsen: "Geschieht ihm recht."

OHH

Auch Winas Antlitz verknautscht sich bei dem Gedanken, derart aufgespießt zu werden - oder aufgesäbelt. Obgleich der Schurke es ja verdient hatte und sie Caspars Feststellung mit leichtem Kopfnicken bestätigt, kann sie sich eines gewissen Mitgefühles nicht erwehren.

JR

"Das tut es in der Tat", entgegnet Udana, "denn letztlich war es seine eigene Entscheidung, diesen Wagen zu überfallen und mit einer Axt nach mir zu werfen. Darüber habe ich mir damals aber keinerlei Gedanken gemacht, denn ungeachtet der Verletzung hatte er noch sein Schwert in der Hand und war nun noch wütender als bereits nach seinem Fehlwurf. Ich habe die Waffe also rasch zurückgezogen und dafür gesorgt, dass ich aus der Reichweite seines Schwerts gekommen bin."
Udana überlegt kurz, ob sie noch mehr zu der Verletzung des Mannes sagen soll, entschließt sich aber rasch dagegen, denn der Gesichtsausdruck ihrer Zuhörer spricht eine deutliche Sprache.
"In seinen nächsten Angriff hat mein Gegner noch mehr Wut und Kraft, aber auch weniger Verstand gesetzt, so dass ich leicht ausweichen konnte. Ich habe ihm zugerufen, dass er sich ergeben soll, aber darüber hat er nur gelacht und mit seinen Beschimpfungen weitergemacht, während er mich erneut angegriffen hat. Dabei..."
Die junge Abenteurerin hält inne und schüttelt den Kopf. "So genau wollt ihr das sicher gar nicht wissen. Es ging jedenfalls noch zweimal hin und her, bis ich es geschafft habe, ihm einen tiefen Schnitt am rechten Oberarm zuzufügen, so dass ihm das Schwert aus der Hand gefallen ist. Er hat nicht versucht, es aufzuheben, sondern ist den Weg entlang in die Richtung abgehauen, aus der wir gekommen sind. Besonders schnell war er mit seinem verletzten Bein nicht, aber ich habe nicht einmal versucht, ihn zu verfolgen." Sie lächelt. "Im Gegensatz zu ihm war mir nämlich schon klar, was als nächstes passieren würde." Ihr Blick geht dabei auffordernd zu ihren Zuhörern.

RB

Einen Moment lang muss Caspar überlegen. Dann fällt ihm auf, was in der Geschichte noch fehlt: "Deine Mutter?"

OHH

Dass sie das Gemetzel nicht mit jedem Blutspritzer hören möchte, wie Udana wohl sinngemäß erkennt, kann Wina nur abnicken. Als die Halbelfe dann ihre Andeutung macht, stutzt Wina ein Momentchen, dann gilt auch ihr erster Gedanke Udanas Mutter. "Ja, die hat ihn vermutlich eingefangen?"

JR

Udana nickt bei Caspars Worten. "Wirklich fangen musste sie ihn nicht", erwidert sie dann auf Winas Frage, "denn er ist vollkommen freiwillig zu ihr gekommen, weil er nicht verstanden hat, dass sie auch zum Schutz des Wagens gehörte. Er wollte ihr weismachen, dass Wegelagerer ihn verletzt haben und er darum Hilfe braucht. Uyna hat aber nicht nachgefragt, wie er auf diese absurde Idee gekommen ist, sondern ihn kurzerhand mit der flachen Seite ihres Schwerts bewusstlos geschlagen."
Udana grinst, als sie an den Gesichtsausdruck des Mannes denkt, als er wesentlich später wieder erwacht ist, doch das ist für die Geschichte eher nebensächlich und zudem auch viel später geschehen.
"Nachdem ich gesehen hatte, dass er auf dem richtigen Weg ist", fährt sie fort, "konnte ich mich endlich wieder dem anderen Angreifer und dem Händler zuwenden. Da gab es aber nicht mehr viel zu tun."

GM

Schließlich öffnet sie die Eingangstür und tritt ein. Die Frau dürfte etwa 30 Götterläufe alt sein und der dunkle Farbton ihrer Haut zeugt nicht nur von vielen Aufenthalten im Freien, sondern auch von ihrer tulamidischen Abstammung. Glattes schwarzes Haar ist zu einem Zopf geflochten, der bis zu den Hüften reicht. Alles andere liegt noch unter dem Umhang verborgen, während ihr Blick aufmerksam durch die Szenerie in der Gaststube gleitet. "Travia zum Gruße" wirft sie selbstbewusst in die Runde.

RB

"Ist der Händler selber mit ihm fertig geworden?" rät Caspar.

OHH

Es fällt Wina auf, als Udana ihre Mutter mit dem Namen nennt anstatt als solche. Vielleicht aus Rücksicht auf ihre Zuhörer. Dass der Mann unversehens niedergeschlagen wird, überrascht sie erneut. Doch wie gedacht, so ist das wohl im Kampf.
Auf den Gruß der Eintretenden wird freundlich erwidert: "Travia mit Euch!"

JR

Da sie auf dem der Tür nächsten Stuhl sitzt, entgeht der aufmerksamen Abenteurerin natürlich nicht, dass die Tür geöffnet wird und eine Frau eintritt. "Travia zum Gruße", schließt sie sich den Grüßen der anderen an, wobei sie sich ausreichend weit herumdreht, um in die richtige Richtung zu sprechen.
Caspars Worte sind ihr allerdings dessen ungeachtet nicht entgangen, denn sie hat sich kaum wieder den anderen zugewandt, als sie bereits den Kopf schüttelt. "Das hatte ich auch zuerst gedacht, denn der Mann rührte sich nicht mehr, doch letztlich hat der Händler in der Zwischenzeit nichts anderes getan, als den Wagen sicherheitshalber anzubremsen und vom Kutschbock zu steigen, um sich zu vergewissern, dass von dem Angreifer keine Gefahr mehr ausgeht."
Wieder einmal überlegt Udana, welche Details wichtig und welche unwichtig sind. Nach einem kurzen Blick insbesondere zu Wina beschließt sie, wiederum die kurze Form zu wählen. "Ich habe euch ja vorhin, ehe der Wirt gekommen ist, bereits erzählt, dass ich meine Messer beidhändig fast gleichzeitig auf diesen Mann geworfen habe, mich dann aber um die Axt kümmern musste, die der andere nach mir geworfen hat. Dieser Mann hier hat anscheinend versucht, einem meiner Messer zu entgehen. Das hat ihn darum auch nur gestreift, aber sein Ausweichen hat ihn noch viel besser in die Flugbahn des anderen Messers gebracht, das" - sie stockt und beendet den Satz dann anders, als sie es in der durch die Erinnerung hervorgerufenen Aufregung eigentlich tun wollte - "hat ihm dann ein sehr schnelles Ende bereitet."

OHH

Kurzzeitig verliert Wina den Überblick im Kampfgetümmel, doch die letzten Worte Udanas sprechen eine deutliche Sprache: der Mann war dann wohl tot. Langsam wird die Halbelfe ihr fast ein wenig unheimlich. Gut, sie hat sich nur verteidigt, aber wie unbekümmert sie das alles erzählt!

JR

"Uyna war dann recht schnell bei dem Wagen", fährt Udana fort, "denn ganz so, wie ich es befürchtet hatte, war sie uns die ganze Zeit näher, als ich das eigentlich wollte. Sie hat somit den letzten Schlagabtausch zwischen dem Axtwerfer und mir beim Näherkommen beobachtet, so dass das, was er ihr zugerufen hat, für sie keine Rolle gespielt hat. Danach gab es für uns noch ziemlich viel zu tun, aber das ist eher langweilig, denn eigentlich wollte Caspar ja von einem Auftrag hören, der dazu geführt hat, dass wir hinterher in einem teuren Gasthaus eingekehrt sind. Das wiederum" - sie macht eine geheimnisvolle Pause, ehe sie mit einem Lächeln weiterredet - "lag vor allem an dem, was der von Uyna betäubte Axtwerfer in seiner Tasche hatte."

OHH

Plötzlich deutlich interessierter und aufmerksamer, beugt sich Wina mit großen Augen etwas vor. Geschichten von Rätseln, Geheimnissen und Geheimnisvollem, einem Schatz vielleicht, hört sie am liebsten.

RB

Fast hätte Caspar die Hand auf den Mund geschlagen, als Udana vom plötzlichen Tod des Räubers berichtet. Aber er kann sich gerade noch zurückhalten. Und als sie weitererzählt, lehnt er sich wieder aufmerksam vor, um ja kein Wort zu verpassen. Dass jemand zur Tür herein kommt, nimmt er wahr, reagiert aber nicht.

JR

Die aufmerksamen Blicke ihrer Zuhörer entgehen Udana nicht und erinnern sie zudem an das, was sie damals selbst gedacht hat - und an ihre anfängliche Enttäuschung. "Als ich gemerkt habe, dass Uyna etwas gefunden hat, über das sie sich sehr gefreut hat, war mein erster Gedanke, dass es etwas Wertvolles sein musste, doch dann habe ich gesehen, dass es sich lediglich um ein abgegriffenes Stück Papier handelt, das zudem so aussah, als hätte man es schon ziemlich oft zusammengefaltet. Natürlich war mein nächster Gedanke, dass es nichts anderes als eine Schatzkarte sein musste."
Dieses Mal macht sie bewusst eine Pause, ehe sie mit der viel unspektakuläreren Auflösung fortfährt. "Letztlich war es weder eine Schatzkarte noch ein geheimnisvoller Brief, sondern ein Steckbrief, der aus... aus der Stadt stammte, in die wir unterwegs waren. Offenbar hatten diese beiden Räuber schon eine ganze Reihe von Händlern und auch die ortansässige Obrigkeit verärgert, so dass auf sie ein Kopfgeld ausgesetzt war. Derjenige, der den Kampf überlebt hat, war darauf sogar stolz, was seinen Worten zufolge auch der Grund war, warum er das Ding überhaupt aufgehoben hat."

OHH

'Ein Schatz!' triumphiert Wina innerlich, bevor der Papierfetzen als etwas völlig anderes herausstellt. "So ein Trottel!" kommentiert sie die Mitnahme eines so belastenden Dokumentes geradezu verärgert darüber, dass er nichts besseres dabei hatte.

JR

Udana muss bei Winas Äußerung kurz lachen, dann nickt sie. "Das ist eine gute Zusammenfassung", erwidert sie, "und damit ist die Geschichte im Grunde auch schon am Ende. Der Händler war sehr froh, dass weder seiner Ladung noch ihm etwas geschehen ist. Auch der Schaden an seinem Wagen hielt sich in Grenzen, denn die Axt, die an meinem Kopf vorbeigeflogen ist, hat lediglich für einen etwas tieferen Kratzer gesorgt. Darum hat er uns sogar mehr Geld gegeben, als wir vorher vereinbart hatten. Dann haben wir diesen Trottel gegen das Kopfgeld eingetauscht und hatten am Ende dann deutlich mehr Geld verdient, als wir uns von dem Auftrag erhofft hatten. Das war dann der Anlass, in ein wirklich gutes Gasthaus zu gehen."
Sie lächelt bei der Erinnerung und fügt dann hinzu: "Da waren wir dann aber nicht Uyna und Udana, sondern lediglich Mutter und Tochter, die gut essen gegangen sind."

RB

Caspar hat nur feixend den Kopf geschüttelt, als Udana von der Schusseligkeit des Schurken erzählte. Jetzt, als die Geschichte glücklich zu Ende ist, kommentiert er: "Das hattet ihr euch aber auch echt verdient."
Nach einer kurzen Pause fügt er noch hinzu: "Mussten deine Haare dann auswachsen oder konntest du die Farbe rauswaschen?"

OHH

Lächelnd nimmt Wina das glückliche Ende hin, bis Caspar seine Frage stellt. Staunend betrachtet sie ihn; der ist ja aufmerksam dabei! Ob er sich wohl auch ein wenig in Udana verguckt hat? Vom Alter her würden sie ja wohl zusammenpassen. Neugierig wechselt das Augenmerk zwischen den beiden umher.

JR

Udana sieht Caspar bei dem plötzlichen Wechsel zu einer absoluten Nebensächlichkeit für einen Augenblick überrascht an, ehe sie den Kopf schüttelt. "Ich hatte eher das umgekehrte Problem", erwidert sie, "denn nach dem, was wir damals herausgefunden haben, ist es gar nicht so einfach, schwarze Haare so rot zu färben, dass sie es auch eine Weile bleiben. Da wir aber in erster Linie die Menschen in... in der Heimatstadt des Händlers täuschen wollten, war das aber auch gar nicht unser Ziel. Wir haben darum einfach eine größere Menge Farbe verwendet, was zu Beginn der Reise auch ziemlich überzeugend aussah. Damit hatten wir das, was wir wollten, aber schon zum Zeitpunkt des Überfalls waren meine Haare eher gesprenkelt als noch rot."
Udana schafft es, das Lachen, das ihr bei dieser Erinnerung kommt, zu unterdrücken und stattdessen gespielt ernst fortzufahren: "Ich habe damals allerdings vergessen, den überlebenden Angreifer zu fragen, was er bei diesem Anblick gedacht hat." Sie muss schließlich doch lachen.

OHH

Seltsam, dass sich Udana immer wieder so betont um die Nennung der betreffenden Stadt herumdrückt! Soll man die Geschichte nicht überprüfen, oder hat die Halbelfe Angst vor irgend jemand beteiligtem? Dass sie den Namen schlicht vergessen hat, kommt Wina kaum wahrscheinlich vor.
"Was meinst du mit gesprenkelt?" Tupfen werden es eher nicht gewesen sein. In Winas Vorstellungsbild sammeln sich die großen Punkte daher zu Flächen, wie man sie beim Fell von Kühen kennt. Unschlüssig und ungläubig zieht sie die Brauen zusammen.

JR

Udana sieht Wina ein wenig verwirrt an, denn das ist eigentlich der mit Abstand unwichtigste Teil der ganzen Geschichte.
"Ich weiß nicht, ob 'gesprenkelt' wirklich das richtige Wort ist", versucht sie dann eine Antwort, "die Farbe hat einfach nicht lange gehalten. Somit hatte ich am Ende eine wilde Mischung aus roten und schwarzen Haaren und zudem jede Menge Farbe an meiner Kleidung. Zum Glück ließ sich das alles recht schnell lösen, denn noch ehe wir unser Ziel erreicht haben, bin ich einfach in einen Bach gesprungen. Danach waren meine Haare wieder überwiegend schwarz und nur noch ein ganz klein wenig rot übrig."
So ganz zufrieden ist sie mit ihrer Antwort nicht, so dass sie noch rasch ergänzt: "Vermutlich war die Farbe alles andere als für diesen Zweck geeignet, aber auf der anderen Seite war das auch gut, weil ich sie schnell wieder losgeworden bin."

OHH

Bei der Vorstellung dieses Farbdurcheinanders und der Flecken vermutlich vor allem auf den Schultern kann nun auch Wina breit grinsen. "Ja, beim Färben gibt es viel zu beachten; das ist bei Stoffen nicht anders."

RB

JR

OHH

Wird fortgesetzt...


Ausschnittliste / Charakterbeschreibungen / Lageplan

Redaktion und Lektorat: Oliver H. Herde im Jahre 2026