Wina, die Heldin und der Bauernbursch I

Autoren: Jan Richling, Oliver H. Herde, Ralf Büngener und andere

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Danach sieht sie sich um. Hier nahe der Türe steht sie auch seitlich nur im Wege, nutzlos und allein. Also zurück zur Theke, wo weiterer Käse wartet? Bei einem Magier, einer Edeldame oder einem Thorwaler wären sicherlich ganz neue fremde Welten zu entdecken. Doch ob die auf die Gesellschaft einer dörflichen Schneiderin so versessen sind oder sich womöglich eher gestört fühlen? Dann wäre da noch Caspar, der nehebei ebenfalls auf der Suche nach einem geeigneten Platz zu sein scheint...

RB

Caspar erwidert Udanas Lächeln, dann setzt er sich auf den Platz, der ihm am nächsten ist. Von hier kann er den Barden gut sehen, der aber leider auch schon Pause zu machen scheint. Vielleicht könnte er ihn mit Applaus motivieren. Also stellt er schnell den Becher ab und klatscht noch ein paar Mal. "Lustiges Lied, kanntest du das schon?" spricht er Wina an, die gerade neben ihm steht und sich suchend umblickt.

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Vom letzten Beobachtungsobjekt angesprochen, tritt Wina fröhlich dichter an den Tisch heran. "Nein, solche Lieder hört man wenn überhaupt ja nur hier, nicht in Solstono. Aber nachdem ich eben mit der Halbelfe gesprochen habe" - sie fuchtelt unbestimmt richtung Eingangstüre - "genügen Besuche im Eber mir wohl, mich von mancher Langeweile und Abenteuerlust abzulenken", fügt sie schmunzelnd an.

RB

'Besuche im Eber' - es ist überhaupt erst Caspars zweiter Besuch hier. Der erste ist noch nicht lange her, und er denkt gerne daran zurück. Er hatte seinen Vater nach Bethana zum Jahrmarkt begleiten dürfen, und ihr Zuchteber hatte dort einen Preis gewonnen und sie hatten ihn unerwartet für viel Geld verkauft. Auf dem Rückweg waren sie von der Nacht überrascht worden und sein Vater hatte sie ungewohnt spendabel gelaunt für die Nacht im Eber einquartiert.
Aber Caspars Abenteuerlust ist ungebrochen, besonders nach dem Gespräch mit... der Halbelfe!? Das erklärt ihr exotisches Aussehen. Er überspielt seine Verwirrung mit einem erzwungenen Grinsen und fragt: "Was hat sie dir denn erzählt? Hoffentlich kein Jägerbosparano."

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Ein kurzes Zucken des Kopfes deutet ein Schütteln desselben an. "Nein, sie klang eigentlich ganz ehrlich und ihre Erzählungen wirklichkeitsnah - eben gerade deswegen, weil es im Abenteuerleben nicht immer gemütlich zugeht. Damit meine ich jetzt keinen Kampf mit einem Mantikor oder Drachen, sondern auch Übernachtungen und Reisen bei schlechtem Wetter. Bestimmt geht einem auch mal der Proviant aus..."
Erfreut stellt Wina fest, wie sie auch die eigentlich tristen Seiten von Udanas Bericht zu Phantasien anregen. Vielleicht ist sie ja doch nicht so langweilig, wie sie vorhin schon über sich selbst etwas erschrocken vermutet hat.

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Caspar lacht: "Ist unser Leben denn immer gemütlich? Ich muss auch bei jedem Wetter raus. Die Tiere wollen fressen, egal bei welchem Wetter, und das andere Ende natürlich auch", versucht er sich ein bisschen vornehmer auszudrücken als normal. "Und übernachtet habe ich auch schon im Schweinestall, wenn ein Tier krank war.
Aber wenigstens sieht man etwas Neues, wenn man den ganzen Tag im Regen gewandert ist und nicht nur die gleiche Grütze und den gleichen Matsch. Mir graut da schon eher vor dem Mantikor. Aber dann würde ich wenigstens rausfinden, was das genau ist."

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Es ist schon recht unangenehm, wenn man sich von einem so jungen Burschen belehrt oder überflügelt fühlen muss. Jedenfalls schämt sich Wina ein wenig, sich durch die Aussicht auf eine Nacht in einer Pfütze von größeren Reisen abhalten zu lassen. Dabei wäre dies ja vermutlich nicht einmal nötig, zumindest nicht im Horasreich, wo es doch wohl alle paar Meilen ein Gasthaus gibt.
Zum Glück lenkt Caspar sogleich mit einem Problem ab, das sie lösen zu können vermeint: "In den Geschichten haben sie einen Körper wie ein Löwe, ein Gesicht wie ein Mensch und einen Skorpionsschwanz." Bei der Vorstellung verzieht sie zunehmend die Mine. Wie abscheulich! "Bestimmt haben sie auch noch schlechte Zähne!"

RB

Ja, erinnert sich Caspar, so war es. Aber richtig vorstellen konnte er sich das noch nie. Er hat auch noch nie einen Skorpion gesehen. Wina kann sich das offenbar schon vorstellen, sogar sehr genau. Bei ihrer letzten Bemerkung prustet er los. Dann spinnt er den Gedanken weiter: "Dann ist ihre gefährlichste Waffe wahrscheinlich gar nicht der Skorpionschwanz, sondern der stinkende Atem."

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Nun muss Wina doch lachen, denn das hat Caspar bestimmt als Scherz gemeint. "Vielleicht schlägt man ihn am besten mit einem Vinsalter Duftwässerchen. Wobei ich die auch furchtbar finde - zumindest das eine, was ich mal an einem Gewand riechen musste..."

Gerade will Wina sich endlich hinsetzen, da nimmt sie hinter sich eine Bewegung der Türe wahr und dreht den Kopf entsprechend. Wollte Udana nicht noch mit Caspar sprechen? Dann wäre jetzt vielleicht doch der rechte Zeitpunkt für noch ein Stück Käse am Tresen. Jedenfalls wird sie freundlich angelächelt.

JR

Udana zieht die Tür auf und tritt in die Gaststube, wo sie unmittelbar hinter der Tür an fast genau jener Stelle stehenbleibt, an der sie sich mit Wina unterhalten hat.
Sie sieht sich rasch um, wobei für einen Moment wieder die aufmerksame Kriegerin zu bemerken ist, die sofort erfasst, dass sich nicht viel verändert hat. Die einzige Ausnahme gibt es direkt neben der Tür, mit Wina und Caspar am kleinen Tisch.
Udana muss daran denken, dass die beiden sich offenbar kennen, was vielleicht auch bedeuten kann, dass sie unter sich sein wollen, so dass ihrem ersten Impuls erst einmal keine Handlung folgt, sondern sie erst einmal die Tür hinter sich schließt.

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Gerade will Wina sich endlich hinsetzen, da nimmt sie hinter sich eine Bewegung der Türe wahr und dreht den Kopf entsprechend. Wollte Udana nicht noch mit Caspar sprechen? Dann wäre jetzt vielleicht doch der rechte Zeitpunkt für noch ein Stück Käse am Tresen. Jedenfalls wird sie freundlich angelächelt.

JR

Udana erwidert das Lächeln, was sie zugleich auch einen kleinen Schritt näher treten lässt. "Ich will euch nicht stören", sagt sie schüchtern, wobei ihr Blick von Wina zu Caspar geht. Ihr entgeht unter dem Eindruck des langen Gesprächs, das sie mit Wina geführt hat, dabei vollkommen, dass sie Caspar gegenüber bislang immer die Ihr-Form verwendet hat.

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"Tust du nicht", versichert Wina sogleich warm. "Aber ich vielleicht?" Sie weiß ja nicht so genau, worüber sich die beiden jungen Leute noch austauschen wollten. Vermutlich über eine Abenteuerreise? Fragend schaut sie von der einen zum anderen.

JR

Erschrocken sieht Udana Wina an, denn die Idee, dass diese stören könnte, ist für sie so abwegig, dass sie sich fragt, ob sie etwas gesagt haben könnte, das in diese Richtung interpretiert werden könnte. "Nein, auf keinen Fall", erwidert sie darum sehr rasch.

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Ob der eiligen Antwort muss Wina schon wieder schmunzeln. Doch dann geht ihr Blick zurück auf Caspar, der dazu ja vielleicht auch noch etwas zu sagen hat.

RB

Caspar beobachtet den Austausch der beiden Frauen zunächst überrascht, dann zunehmend amüsiert. "Falls Ihr nicht zu sehr damit beschäftigt seid, Euch nicht zu stören, wären hier noch zwei Plätze frei", versucht er galant einzuladen. "Es sei denn, ich störe", schiebt er grinsend hinterher.

JR

"Natürlich nicht", beeilt Udana sich zu sagen, um sich dann auf dem Stuhl gegenüber von Caspar niederzulassen. Damit hat sie zwar die Tür im Rücken, was der Kriegerin in ihr gar nicht gefällt, aber es wäre unhöflich, nicht den Stuhl zu nehmen, der ihr, die aus Richtung der Tür gekommen ist, am nächsten ist. Sie dreht ihn jedoch ein wenig in Richtung des Raums, was es ihr ganz nebenbei auch leichter macht, ihre Sachen an ihrem ursprünglichen Tisch im Blick zu behalten.

OHH

Nachdem es sich allerseits ausgestört hat - wobei, es wurde ja niemand durch irgendwen gestört - lässt sich auch Wina nieder. Große Auswahl besteht ja nicht mehr, aber dies ist ihr auch gleichgültig. Mag das meiste des Schankraumes auch hier in ihrem Rücken liegen, so kann sie dafür aus dem Fenster hinaus das schöne Wetter betrachten. Allerdings wird die Unterhaltung dafür vermutlich viel zu interessant werden.

RB

Das hat ja hervorragend geklappt. Allerdings ist dadurch die Unterhaltung etwas unterbrochen. Nach einem Blick zum Durchgang zur Theke - schließlich kann die Wirtin ja jeden Moment mit der nächsten Aufgabe ankommen - setzt Caspar die vorherige Unterhaltung fort und fragt Udana: "Bist du schon einmal einem Mantikor begegnet?"

JR

"Einem Mantikor?" wiederholt Udana überrascht, ehe sie den Kopf schüttelt. "Nein, einem Mantikor bin ich noch nie begegnet. Ich war lediglich dabei, als zwei Abenteurer davon berichtet haben, wie sie einen zur Strecke gebracht haben. Allerdings..." Sie hält inne, wobei sich langsam ein Lächeln in ihre Züge schleicht.

OHH

Auch Wina muss schmunzeln, allerdings schon allein, weil Caspar sich so an dem Mantikor festgebissen hat - und dann, weil sie sich dies bildlich vorstellt.
Schlussendlich vermutet sie, dass Udana den beiden Reisenden wohl wenig Glauben geschenkt hat, wozu das Schmunzeln ebenfalls noch passt. Hat ihre älteste Schwester Rike nicht dereinst ebenfalls von so einem Fahrenden erzählt...?

RB

"Allerdings?" wiederholt Caspar ungeduldig. Hoffentlich ist Udana nicht so eine Erzählerin wie sein kleiner Bruder Bali, der eine blühende Fantasie hat, sich aber gern jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen lässt.

JR

"Sie haben ziemlich lange darüber geredet", fährt Udana fort, "und mit jedem Premer Feuer, das sie dabei getrunken haben, wurde der Mantikor in ihrer Erzählung größer. Ich habe selbst noch nie einen gesehen, aber ich habe arge Zweifel, ob er wirklich so viele Arme und Beine hat, wie diese beiden ihm abgeschlagen haben - ich meine, wie sie ihm abgeschlagen haben wollen." Ihr Lächeln verstärkt sich während dieser Worte.

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"Saufköpfe", schmunzelt Wina. Das erinnert sie ein wenig an den Bauer Gerrik Rogel, der auch gern mal einen über den Durst trinkt. Aber eigentlich ist er ja ein lieber Kerl.

JR

"Ja", bestätigt Udana, "und die Geschichte ist an der Stelle noch nicht zu Ende. Zwei Tage später haben wir die beiden nämlich noch einmal getroffen." Die Erinnerung sorgt dafür, dass Udanas Lächeln sich verstärkt.

RB

Gespannt hört Caspar zu. Das Lächeln der Halbelfe deutet darauf hin, dass die Geschichte bald besser wird. Und die Erinnerung daran, wie Wina sie bezeichnet hat, lässt ihn neugierig aber hoffentlich unauffällig spähen, ob er spitze Ohren entdecken kann. Aber die Haare sind zu dicht.

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Anscheinend hat der Barde drüben dem greisen Magus eine sehr lustige Geschichte erzählt, wenn es so sehr zu lachen gibt. Fast möchte Wina hinüberspringen und Mäuschen sein, aber hier am Tisch gäbe es dann vermutlich ebensoviel zu versäumen. Wie schade, dass man sich nicht aufteilen kann! Wobei - manche Magier können das vielleicht.
Wie sich hingegen das Erlebnis mit den Mantikorfabulanten gewendet haben mag, will Wina nichts einfallen, folglich ruhen ihre Blicke rasch wieder auf Udana.

JR

Das Lachen am Tisch des Magiers entgeht auch Udana nicht, so dass sie sich umdreht und für einen Moment in die betreffende Richtung sieht. Danach kehrt ihre Aufmerksamkeit jedoch rasch wieder an den eigenen Tisch zurück, denn sie will die anderen nicht warten lassen.
"Das Wetter war an jenem Tag sehr nass und windig", fährt sie fort, "und wir hatten noch mehrere Stunden bis zum nächsten Gasthaus - zumindest dem nächsten Gasthaus, von dem wir wussten. Wir haben gerade überlegt, ob wir einfach unser Zelt im Schutz eines ziemlich dichten Waldes aufbauen, als wir Kampflärm vor uns auf der Straße gehört haben. An dieser Stelle hätte man sich wunderbar im Wald verstecken können, aber das haben wir natürlich nicht gemacht."

RB

'Natürlich nicht.' Caspar hätte sich natürlich versteckt. Das ist wohl der Unterschied zwischen ihm und einer Abenteurerin, denkt er etwas enttäuscht. Gespannt hört er weiter zu.

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Ob jetzt doch noch ein Mantikor auftaucht, der die Lügner zur Strafe auffrisst? Oder stimmte die Geschichte? Blödsinn, dann wäre der Mantikor ja tot und zerkleinert! Aber vielleicht hatte er einen Bruder?
Winas aufgerissene Augen spiegeln deutlich, wie die Phantasie gerade mit ihr durchgeht.

JR

"Ich hoffe, ihr seid vom Rest der Geschichte nicht enttäuscht", sagt Udana unter dem Eindruck von Winas unverkennbarer Reaktion, "denn es hat sich schnell gezeigt, dass diese beiden, nun ja, selbsternannten Helden gerade von einer kleinen Gruppe von Goblins arg in Bedrängnis gebracht wurden. So, wie sie mit ihren Waffen herumgefuchtelt haben, waren sie dabei für sich selbst eine größere Gefahr als für die Goblins. Einer von ihnen hatte sich nämlich eine Schnittwunde zugezogen, die sicherlich nicht von den Knüppeln der Goblins, sondern eher von seinem eigenen Säbel stammte. Mehr haben wir darüber aber nicht herausgefunden, denn nachdem wir den Goblins gezeigt haben, dass wir mit unseren Waffen umgehen können, sind die beiden abgehauen, ohne mit uns zu reden."

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Stimmt, dieses Ende der Geschichte ist viel naheliegender. Dennoch überrascht es Wina genug, um ihr breites Grinsen und leises Kichern wenig effektiv hinter der Hand zu verstecken. Klar, dass die abgehauen sind bei diesem peinlichen Bild!

RB

Auch Caspar muss kichern, als er sich vorstellt, wie die Möchtegern-Helden weglaufen, um sich hinter dem Mantikor zu verstecken. "Da haben sie ja nochmal Glück gehabt. Stell dir vor, ihr hättet ihnen geglaubt und sie gegen die Goblins allein gelassen...
Wo hast du eigentlich gelernt, mit einer Waffe umzugehen? Und mit welcher eigentlich?" Bis jetzt hat Caspar an Udana noch nichts gefährliches gesehen.

JR

Das Kichern der anderen vertreibt Udanas Sorgen hinsichtlich des nicht wirklich spektakulären Endes der Geschichte.
"Das meiste habe ich von meiner Mutter gelernt", erwidert sie auf Caspars Frage, "und wir sehen beide Wurfmesser als unsere Lieblingswaffe, wobei ich die Dinger im Gegensatz zu ihr beidhändig werfe. Gegen diese Goblins damals im Wald wäre das aber keine gute Idee gewesen."
Ein fast schon entschuldigender Blick geht während dieser Worte zu Wina, waren doch zumindest die Wurfmesser bereits Thema des vorangegangenen Gesprächs.

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Jene hebt nur fragend die Brauen, da sie den Grund von Udanas Ausdruck gar nicht recht versteht. Am besten, Wina beruhigt die Tischgefährtin mit einem Lächeln.

RB

Die beiden Frauen tauschen ein Lächeln aus, dessen Grund Caspar nicht versteht. Hat er irgendwas verpasst? Die letzte Bemerkung Udanas hat er ebenfalls nicht verstanden. Da kann er wenigstens nachfragen: "Warum nicht?"

JR

Winas Lächeln verfehlt seine Wirkung nicht, so dass Udana es erleichtert erwidert.
"Gute Wurfmesser sind ziemlich teuer", antwortet die junge Frau auf Caspars Frage, "und jener Wald war düster und unübersichtlich. Da wäre es alles andere als leicht gewesen, ein Messer, das in einem Goblin steckt, wiederzubekommen, zumal diese Goblins sich in ihrem Wald bestimmt viel besser auskennen als wir."
Erst nachdem sie das gesagt hat, wird ihr klar, dass sie den wichtigsten Umstand noch gar nicht erwähnt hat. "Ihr müsst dazu wissen", ergänzt sie darum rasch, "dass wir keineswegs die Absicht hatten, diese Goblins zu töten, sondern ihnen lediglich zu zeigen, dass wir dazu in der Lage wären. Ich hätte also so werfen müssen, dass ich zwar treffe, aber den Goblin nur leicht verletze. Und schon hätten wir dann ein Messer, das in einem Goblin steckt, der damit davonlaufen kann."

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Es beeindruckt, wie kaltblütig diese junge Frau von der gewaltsamen Auseinandersetzung und insbesondere den dahintersteckenden nüchternen Überlegungen berichtet. Für Wina ist dies eine ausgesprochen fremde Welt. Haben in den Geschichten nicht eher die Bösen so gedacht und gehandelt? Immerhin - sie wollte die Goblins wohl in gewisser Weise schützen. Vermutlich war das nur genau so möglich.

RB

Auch Caspar ist verblüfft. Dass Wurfmesser teuer sind und Goblins nach einem Treffer noch weglaufen können, kam in den Geschichten nie vor. Ebensowenig der Wunsch, die garstigen Monster überleben zu lassen. Oder sind sie vielleicht mehr als das? So wie ein Schwein mehr ist als ein Kotelett auf Beinen, wie ein ignoranter Städter es mal bezeichnet hat. Einen Moment denkt er darüber nach, dann kommt die nächste Frage ganz von selbst: "Und wie habt ihr die Goblins dann vertrieben?"

JR

"Mit unseren Säbeln", erwidert Udana, "wobei es genügt hat, dass meine Mutter einen von ihnen bereits direkt nach unserem Eintreffen am Arm verletzt hat. Es kommt nicht nur auf die Waffen an, sondern auch darauf, wie man sie benutzt und wie man auftritt. Dieser Goblin hat jedenfalls verstanden, dass sie die Waffe absichtlich so geführt hat, dass er sich nur einen tiefen Schnitt eingehandelt und nicht den ganzen Arm verloren hat. Ich verstehe die Sprache der Goblins nicht, so dass ich nicht weiß, was er gerufen hat, aber sein Ruf hat mehr als die Hälfte von ihnen dazu gebracht, die Beine in die Hand zu nehmen. Geblieben sind nur zwei, und auch die haben schnell eingesehen, dass das keine gute Idee war."
Udanas Stimme ist während dieser Erzählung vollkommen ruhig und wird erst lebhafter, als sie ergänzt: "Immerhin hat mir einer von ihnen damit die Gelegenheit gegeben, etwas auszuprobieren, das ich vorher noch nie in einem echten Kampf versucht habe."

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Na, Udana hat ja eine Gemütsruhe - zumindest seinerzeit gehabt, aber der Bericht fällt ja in gleicher Weise aus. Zwar hat Wina durch ihre vielen Besuche im Eber von anderen Gästen schon vereinzelt auch etwas über Goblins gehört und weiß daher, dass sie wohl etwas kleiner sind als Menschen. Dennoch war das ja wohl keine ganz ungefährliche Situation. Auch durch einen unterlegenen Gegner kann man verletzt werden, das lernt man schon früh bei Raufereien mit anderen Kindern. Hat nicht irgendwer mal gesagt, es sei am besten, gar nicht zu kämpfen?
Dies wäre jetzt vielleicht eine passende Frage, würde aber Udanas Erzählung ungünstig unterbrechen.

RB

Caspar ist gebannt. Obwohl die Geschichte an sich gar nicht so spannend war, ist Udanas Erzählung gruselig und faszinierend zugleich. Dadurch, dass sie das selbst erlebt hat, kann er sich selbst vorstellen, im Wald zu stehen mit dem Säbel in der Hand. Er weiß nicht wirklich, wie er mit der Waffe umgehen soll, deshalb fragt er, fast atemlos: "Was denn?"

JR

"Es war das erste Mal, dass ich in einem wirklichen Kampf zwei Säbel gleichzeitig verwendet habe", erwidert Udana, während ihr Blick zwischen ihren beiden Zuhörern wechselt. "Meine Wurfmesser werfe ich schon seit vielen Jahren mit beiden Händen, aber auf die Idee, das auch mit den Säbeln zu machen, bin ich erst ein paar Monde vor jenem Ereignis gekommen."
Sie hält kurz inne, als ihr klar wird, wie sehr man diesen Satz falsch verstehen kann. "Ich meine, mit jeder Hand einen Säbel zu führen, nicht, damit zu werfen", korrigiert sie sich rasch, wobei sie die anderen entschuldigend ansieht.

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Welch eine martialische Vorstellung, die gar nicht zu diesem halben Kinde passen möchte! In Udana steckt mehr als man ihr ansieht - sofern das alles so stimmt. Vielleicht sollte Wina nachher mal nach einer kleinen Vorführung fragen.
Auf das Werfen von Säbeln wäre Wina hingegen ohnedem nicht gekommen; insofern kann sie über die neuerlich unnötige Richtigstellung und die dazugehörigen entschuldigenden Blicke nur wieder schmunzeln.

RB

In jeder Hand einen Säbel? Da kommt Caspars Vorstellungskraft jetzt nicht mehr mit. Erneut betrachtet er Udana, aber kann kein Anzeichen von einem, geschweige denn zwei Säbeln entdecken. "Und wo hast du den, nein die Säbel hergenommen?" fragt er etwas lahm.

JR

Als sie Caspars Blick bemerkt und sofort versteht, wonach er sucht, geht ihr Blick für einen kleinen Moment in Richtung ihres riesigen Rucksacks, der weiterhin neben dem Kamintisch an der Wand lehnt.
"Die habe ich am Gürtel getragen", erwidert sie, während sie sich wieder ihren Zuhörern zuwendet und es schafft, dabei diese anzusehen und nicht nach unten zu blicken. Dort gäbe es allerdings auch nichts zu sehen, denn der weite Umhang verbirgt, ob sie darunter einen solchen Gürtel trägt. Klar ist nur, dass sich darunter nichts Großes wie ein oder gar zwei Säbel verbergen kann, denn das würde man nicht nur im Sitzen mit Sicherheit sehen können.
"Ihr müsst aber wissen", fügt sie dann hinzu, "dass man jene Gegend nicht mit diesem friedlichen Stück Dere hier vergleichen kann. Es wäre dumm, dort ohne sichtbare Waffen durch die Wildnis zu spazieren, während ich es hier für klüger halte, genau das Gegenteil zu tun."

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Dass Udana auf alles kluge Antworten weiß, belegt ihre Aussagen. Sicherlich machen Ausbildung und Erfahrung vieles Wett. Zudem legt gerade ihre letzte Bemerkung nahe, wie vorteilhaft es sein kann, einen falschen Eindruck zu erwecken - zumindest hier in Winas wohlbehüteter Heimat. Im wilden Norden ist das fraglos umgekehrt.
Für Wina wirft das einmal mehr die Frage auf, welche Orte in der Welt sie am liebsten sehen und erleben würde. Zwar gibt es zu allen eine gewisse Neugier, aber die unangenehmeren stellt man sich bestimmt lieber nur vor, anstatt sie zu besuchen.

RB

Ja, Bewaffnete werden hier schon komisch angesehen, wenn sie nicht an ihrer Uniform als Büttel oder Soldaten zu erkennen sind. Und wenn sie dann auch noch mit zwei Säbeln auftreten...
Caspars Blick folgt Udanas zu dem Rucksack. Der ist in der Tat groß genug, einiges zu verbergen, aber sicher auch noch schwerer zu tragen als sein Korb heute. Aber dieses Thema fasziniert ihn: "Kann man dann mit zwei Säbeln gegen zwei Gegner gleichzeitig kämpfen?"

JR

"Das habe ich mit den Säbeln noch nie versucht", erwidert sie ehrlich und auch ein klein wenig überrascht, "und ich glaube, das wäre auch eher ein Akt der Verzweiflung als eine sinnvolle Strategie." Ihr Blick geht dabei von Caspar zu Wina und sie ergänzt: "Ich denke, Wina würde auch nicht auf die Idee kommen, mit zwei Scheren den Stoff für zwei Gewänder gleichzeitig zuzuschneiden, oder?"

OHH

Eine lustige Vorstellung, die Wina auflachen lässt. "Nein, wirklich nicht. Aber zum Verwenden einer Schere braucht man genau betrachtet auch beide Hände, da man ja irgendwie den Stoff halten und führen muss. Bestimmt könnte ich mit zwei Scheren in den Händen gleichzeitig auf zwei Goblins einstechen - wenn die stillhalten", stellt sie sich schmunzelnd vor, bekommt dann aber auch gleich Mitleid mit den beiden armen Goblins, von welchen sie ja nur ein ungenaues Gedankenbild hat.

RB

Einen Moment ist Caspar etwas enttäuscht. Aber als Wina dann lacht und eine lustige Bemerkung macht, fällt ihm auch etwas dazu ein: "Beim Stillhalten könnte ich vielleicht mit dem Lasso helfen."

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Nun sieht Wina den Burschen gleich mit anderen Augen. Aufmerksam den Körper emporstreckend, fragt sie: "Sowas kannst du?"

JR

Udana stimmt in Winas Lachen ein, während sie sich das vorstellt, was diese sagt. Ihr Gesichtsausdruck wird bei den letzten Worten jedoch rasch wieder ernst, was sich auch beim weiteren Austausch der anderen beiden nicht verändert. Lediglich bei Caspars Bemerkung mit dem Lasso nickt sie kaum merklich, denn schließlich hat sie bei ihren Reisen schon einige Viehhirten erlebt, die mit derlei Gerät ihre Tiere eingefangen haben.
"Stillhalten werden die Goblins von alleine mit Sicherheit nicht", bemerkt sie schließlich, wobei ihre Stimme weiterhin so ruhig klingt, als würde sie irgendeine vollkommen alltägliche Tätigkeit erläutern, "und vermutlich haben sie auch wenigstens einen Knüppel bei sich."
Sie holt Luft, um noch etwas zu ergänzen, hält dann aber inne und sieht die anderen an.

RB

"Ja klar", antwortet Caspar auf Winas Frage. Das gehört schließlich zu seiner normalen Tätigkeit. Allerdings übt er das neben dem Schießen mit der Zwille auch in seiner wenigen Freizeit. "Ich habe beim Wettbewerb in Bethana den zweiten Platz gewonnen", erzählt er stolz, "und das auch nur, weil wir Rinder fangen mussten und die Dinger so breite Hörner haben." Ein Schweinekopf passt durch eine kleinere Schlinge. "Aber wenigstens hatten sie keine Knüppel."

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Irgend etwas beschäftigt Udana, das kann Wina sehen und spüren. Sollte sie etwa Mitgefühl für die Goblins empfangen, über welche sie doch fast so nüchtern zu reden scheint, als handele es sich um einfältige Tiere. Oder ist das gar nicht so?
Da jedoch Caspar von sich erzählt, ist es um Winas Aufmerksamkeit entsprechend etwas schlechter bestellt. "Ah, gratuliere...!"

JR

Bei der Erwähnung des zweiten Platzes, den Caspar gewonnen hat, nickt Udana anerkennend, denn auch wenn sie nicht aus dieser Gegend ist, so weiß sie von ihren Reisen doch, dass Bethana eine der größeren Städte im Umfeld ist. Ihr Nicken geht in ein Lachen über, als sie sich eine Kuh mit einem Knüppel vorstellt.
"Ich auch", schließt sie sich Winas Gratulation an, "da kannst du wirklich stolz darauf sein!" Wieder verzichtet sie darauf, das zu sagen, was sie zum Kampf gegen Goblins noch sagen möchte, denn es kommt ihr unpassend vor, so schnell von Caspars Erfolg wegzulenken.

OHH

Ob Udanas fortgesetzter Zurückhaltung blinzelt Wina unschlüssig, dann schaut sie zwischen ihr und Caspar hin und her.

RB

Caspar strahlt, als die beiden Frauen ihm gratulieren. In der entstandenen Stille erzählt er weiter: "Aber unser Zuchteber war noch besser. Der hat sogar den ersten Preis gewonnen. Für den habe ich auch immer speziell Eicheln gesammelt und den Rücken gebürstet." Er ist überzeugt, dass er maßgeblichen Anteil an der guten Platzierung hatte.

JR

Udana weiß nicht so recht, was sie dazu sagen soll, denn sie hat keine Ahnung von Zuchtebern und noch weniger davon, was diese tun müssen, um einen ersten Preis zu gewinnen.
"Dann ist anscheinend noch eine Gratulation angebracht", sagt sie schließlich recht neutral, ehe sie etwas lebhafter fortsetzt: "Ich muss aber zugeben, dass ich von derlei Wettbewerben keine Ahnung habe. Ich erinnere mich nur, dass wir vor ein paar Götterläufen einmal an einem Markt vorbeigekommen sind, auf dem anscheinend ein solcher Wettbewerb durchgeführt wurde. Davon habe ich aber kaum etwas mitbekommen und erinnere mich auch nur noch an ein ganz besonders wohlschmeckendes Tier."
Sie hat den letzten Teil des Satzes kaum ausgesprochen, als er ihr auch schon leid tut, denn haben Caspars Worte nicht deutlich gezeigt, dass er zu jenem Eber eine besondere Beziehung hatte? Andererseits hat er erst vor kurzem Schinken und Würste in das Gasthaus gebracht...
Auf die Idee, dass ein Zuchttier eher nicht zum Essen gedacht ist, kommt die Abenteurerin natürlich nicht.

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Tatsächlich zieht Wina ein langes Gesicht, da Udana gedanklich den unglücklichen Preisträger gleich zu verspeisen scheint. Ihre Miene sucht noch nach dem passenden Ausdruck zwischen Belustigung, Mitleid und Verwirrung. Da mag es helfen, Caspar zu beobachten, wie er mit diesen Neuigkeiten umgeht.

RB

Caspar scheint Udana nichts übelzunehmen. Schließlich sind Schweine ja zum essen da, auch wenn man ihnen den Rücken gebürstet hat. "Er hätte bestimmt gut geschmeckt. Und eigentlich wollten wir ihn auch nicht verkaufen. Aber dann ist meinem Vater so ein Preis geboten worden, dass er nicht widerstehen konnte. Und wir haben ja noch zwei Eberferkel von Specki für die weitere Zucht. Darum war mein Vater ja so gut gelaunt und spendabel, dass wir auf dem Rückweg hier abgestiegen sind."

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Nun lächelt Wina wieder ein wenig. So ist das eben mit Hausschweinen. Zum Glück wird niemand den Grünen Eber verspeisen; das wäre wirklich schade - und eine verrückte Vorstellung...

JR

Winas Gesichtsausdruck verstärkt für einen Moment Udanas Befürchtung, etwas Unpassendes gesagt zu haben, doch dann bestätigen Caspars Worte ihre anschließenden Überlegungen. Dies scheint auch Wina zu entspannen, so dass auch Udana nicht weiter darüber nachdenkt.
"Das kenne ich gut", greift sie darum Caspars letzte Bemerkung auf, "denn nach besonders erfolgreichen Aufträgen ist meine Mutter auch schon des öfteren mit mir in guten Gasthäusern eingekehrt."

Weiter...


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Redaktion und Lektorat: Oliver H. Herde im Jahre 2026